Okay, liebe Leute. Das wird vermutlich ein extrem langer Beitrag mit umso mehr Fotos geballter Kultur. Nur damit ihr vorgewarnt seid. Ich teile Kyoto in zwei Teile auf. Hier ist Teil 1.
Also, nach unserem Aufenthalt in Osaka, ging es nach Kyoto. Leider konnten wir hier im Vorfeld niemanden um Rat fragen, wo man sich denn am besten schlafplatztechnisch einnisten sollte, daher habe ich im Netz selbst nach einem Guesthouse gesucht. Und da wird man sehr schnell fündig. Es gibt riiiichtig viele Guesthouses in Kyoto. Die Preise sind verglichen zu Osaka gleich mal doppelt bis dreifach so teuer, dort in der Touristenhochburg, dafür gibt es aber auch mehr an alter Kultur und auch fortlebender Kultur (Stichwort Geikos) zu sehen.
Blöderweise war Anfang~Mitte April natürlich Kirschblütensaison und dementsprechend ausgebucht waren alle Unterkünfte. Wir konnten also nicht wählerisch sein und haben das genommen was noch da war.
Nach dem "Luxus" der Privatsphäre in Osaka erwartete uns hier ein Schock: Das Guesthouse war zwar richtig toll gelegen, aber alles andere war meiner Meinung nach kacke (Entschuldigung, aber ich war richtig stinkig). Ich bin kein Mensch mit hohen Erwartungen, ich weiß was es bedeutet in einem Guesthouse unterzukommen und ich kann ein bisschen Dreck und Lautstärke gut verkraften (jedenfalls mit Ohropax). Aber das war echt.... erst einmal war das eine Mischung aus Rauchercafe und Guesthouse. Das Cafe war unten und über eine kurze Treppe kommt man dann zu den Unterkünften. Die Zimmer dort sind allein durch Schiebetüren mit Milchglas verschlossen. Man hörte alles, selbst wenn im Nebenzimmer geflüstert wurde. Auch sah man natürlich alle Schemen durch das Glas und manche Gäste haben teils tatsächlich mal geschaut, was denn da so im Zimmer gemacht wird, ich kam mir vor wie im Zoo.
Außerdem roch man auch alles und da unten nicht zu knapp geraucht wurde war das sehr suboptimal. Ich reagiere auf Zigarettenrauch vermutlich empfindlicher als der Durchschnittsmensch und bekomme sofort Kopfschmerzen, wenn ich Pech habe direkt Migräne. Aber auch als "normaler" Nichtraucher ist es wohl nicht so prall, wenn man permanent nach Rauch riecht, auch in frischer Wäsche und nach einer Dusche.
Damit auch direkt zum nächsten Thema: Die Sanitäranlagen. Erstmal ist am ersten Tag das heiße Wasser ausgefallen und es war zu der Zeit arschkalt. Dann auch noch kalt duschen ist scheiße, wenn man für so eine Absteige viel Geld latzt. Außerdem mussten sich alle "Schlaf"gäste mit den "Cafe"gästen 2 Toiletten teilen. Und da schwamm so manches Mal noch ein dampfender Haufen drin.
Auch die im Internet als "Küche" angepriesene Nische war ein Witz: Es gab zwar ein Ceranfeld, aber keine Töpfe. Auch gab es kein Messer und vielleicht 2 Löffel und Gabeln. Dafür 30 Tassen, yaaaay.
Aber genug gemeckert: Es hat vorne und hinten nicht gepasst und dort würde ich nicht wieder hinwollen.
Da wir aber eh nur unterwegs waren... Schwamm drüber.
Also jetzt zu den schöneren Dingen. Wir haben richtig viel gesehen in Kyoto.
Angefangen haben wir direkt mit einem Highlight: Dem Kaburenjo Theater.
Jedes Jahr im April führen dort die Geikos (Geishas aus Kyoto nennt man Geikos) und Maikos (Maikos sind angehende Geikos, im Alter ab ~15 bis maximal 20 Jahren glaube ich) ihren Tanz auf.
Ja, es gibt noch richtige waschechte Geishas/Geikos in Japan und vor allem in Kyoto. Zwar lange nicht mehr so viele wie im alten Japan, aber es gibt sie noch.
Wenn man aber kein angesehener Geschäftsmann ist oder nicht gerade das passende Kleingeld im Portemonnaie hat, kommt man eigentlich nicht in den Genuss, einer Geiko bei ihren Künsten (und allein das, diese Frauen sind Künstlerinnen, keine Kurtisanen oder Prostituierte) zuzusehen und sich von ihr unterhalten zu lassen. Aber dazu später mehr.
Jedenfalls war dieser Tanz eine Gelegenheit, um das Phänomen Geiko einmal zu erleben.
 |
| Das Theater von außen |
 |
| Der Innenbereich, wo man sich entsprechend seiner Ticketklasse anstellen musste. Natürlich konnte man Souvenirs kaufen |
Von der Show selbst gibt es keine weiteren Fotos, da Fotografieren drinnen strikt verboten war. Aber es war großartig. Es sind ich glaube 30 Maikos aufgetreten und vielleicht 10 Geikos (wenn ich das richtig unterschieden habe, ich bin da kein Experte), sowie pensionierte (vermutlich) Geikos, die die Show singend und auf dem Shamisen begleitet haben. Von der Geschichte habe ich nicht besonders viel verstanden, da das ziemlich altes, kompliziertes Japanisch war. Aber ich glaube es ging um eine Liebestragödie... ich kann mich allerdings auch irren.
Nach diesem tollen Erlebnis ging es direkt weiter zum nahegelegen Kiyomizu-Dera, ein Tempel. Diesen erreicht man über eine recht steile, viel befahrene und von Souvenir- und Snacklädchen gesäumte Straße. Je weiter man kommt, desto schmaler wird diese. Dann fahren dort auch keine Autos mehr, aber es gibt umso mehr Touristen und Läden.
 |
| Hier gibt es wirklich alles, was das Touristenherz begehert.Yukata, Merchandise zu Anime/Manga,Nippes... |
 |
| Ja, ich weiß nicht, wie ich diese Person einschätzen soll. Ob echt, oder nicht. Eigentlich sind Japaner ja nicht so... |
 |
| Man wird für den steilen Aufstieg belohnt: Eine echt tolle Aussicht |
 |
| Wer kennt das noch? Endlich mal ein Bild, das ganz gut aussieht und dann hat einer die Augen zu. Toll Sven... |
Man kann dort in den eigentlichen Tempel auch noch reingehen und wird mit einer Aussichtsplattform belohnt. Allerdings muss man Eintritt bezahlen (ich glaube 400Yen) und da wir ja schon eine tolle Aussicht genießen konnten, haben wir es gelassen.
Zum Schmunzeln war außerdem, dass ein Tourist aus China, Korea, oder sonstwo Asien mich um ein Foto gebeten hat. Ich dachte ich sollte ihn fotografieren, hab also seine Kamera nehmen wollen, als er sagte "Nein, nein, von dir!" Ich war so verwirrt, dass ich einfach nur blöd dagestanden habe und los gings. Kiki, die Kackwurst, hat das Spektakel fotografiert. Sehr peinlich. Aber zumindest sah ich auf den Fotos genauso aus wie ich mich gefühlt hab "Was zur Hölle geht hier vor?" Also eine schöne Erinnerung für den Typen sind die Fotos wohl nicht, haha.
Nach diesem Tempel hat Sven sich abgeseilt und wir Mädels sind allein losgezogen, um die Gegend zu erkunden. Hat sich auch gelohnt, denn unter anderem sind wir über eine riiiiiiiesige Buddha-Statue gestolpert, die wir gar nicht auf dem Schirm hatten. Andere Touris aber scheinbar auch nicht, denn da war nix los.
 |
| Gut dass Kiki eine Kamera mit göttlichem Zoom hatte, denn die Statue war ziemlich weit weg |
 |
| Direkt nebenan ein Friedhof |
Danach sind wir weitergedackelt und zu einer Pagode gekommen, nachdem wir durch ein paar hübsche, alte Gassen mit allerlei kleinen Läden spaziert sind.
 |
| Ich habe es zu meinem neuen Hobby gemacht, so Sonnenringedings-Fotos zu machen |
 |
| ...man weint zwar oft dabei, aber dafür hat man manchmal nen lila Kringel im Bild. Das ist ein paar Tränen wert |
 |
| Totoro, Totooooro |
 |
| und ein kleiner süßer Vogel |
Abends haben wir uns für den "Gion Nightwalk" angemeldet. Mit zwei Touriguides ging es durch Gion, das Viertel der Maiko und Geiko und währenddessen wurde uns viel von Geschichte und Kultur nähergebracht. Natürlich vor allem alles mögliche über oben genannte Damen.
 |
| Das hat nichts mit Gion zu tun, ich fand das Motiv nur schön... |
 |
| Es gibt in Gion viele kleine Restaurants die traditionelle Küche anbieten |
 |
| Das ist eins davon. Man kann die Köche beobachten |
 |
| Laut Guide soll auf dieser Brücke (da stehe ich drauf, sieht man also im Bild nicht) mit Blick auf den Fluss eine Szene aus "Memoirs of a Geisha" gedreht worden sein |
 |
| Das hier ist eine "Okiya", ein Haus in dem Geiko und Maiko wohnen |
 |
| In Japan kann man Bäume auch auf dem Balkon pflanzen, f**k the Hauseigentümer |
Das hier ist ein ( wenn nicht sogar
das )sehr angesehenes Teehaus. Man kommt nur rein, wenn man Mitglied ist und Mitglied wird man nur, wenn man von einem anderen Mitglied empfohlen wird. Und da derjenige der neue Gäste empfiehlt, für diese bürgt, kommen da nur sehr, sehr wenige und nur sehr, sehr wohlhabende Leute rein. Meist eigentlich nur Geschäftsmänner.
Teehäuser sind der Arbeitsplatz der Maiko und Geiko. Und ihre Aufgaben bestehen darin, ihren Gästen Getränke (meistens Alkohol) nachzuschenken, sich mit ihnen zu unterhalten und sie mit Tanz, Musik und Spielen bei Laune zu halten, nicht mehr. Die Rechnung bekommt der Gastgeber (das sind jeweils geschlossene Gesellschaften, also kein Cafe, wo diverse Grüppchen sitzen) einmal im Monat zugeschickt und zwar nur mit der Gesamtsumme der Kosten, ohne dass irgendwelche Posten aufgelistet sind. Das ganze spielt in einem mittleren bis hohen 4-stelligen Eurobereich, wurde uns erklärt. Keine günstige Angelegenheit.
 |
|
Wie schon gesagt, kommt der Normalmensch eher nicht in den Genuss einer echten Geiko zu begegnen oder sich gar von ihr unterhalten zu lassen. Wenn man ganz, ganz viel Glück hat, sieht man sie abends in Gion von Teehaus zu Teehaus huschen. Wir hatten zweimal Glück, aber da die Damen extrem kamerascheu sind (verständlicherweise, wenn plötzlich 30 Touristen hinter einem herlaufen, als wär man der auferstandene Michael Jackson) haben wir nur einen kurzen Blick auf ihre Rücken erhaschen können.
Oder aber hier. Ein Mensch hat anscheinend für eine Privataudienz bezahlt, wo mehrere Maiko/Geiko ihm beim Essen Gesellschaft leisten. Und man konnte durchs Fenster linsen (laut Guide völlig okay, davon Fotos zu machen, ich bin mir da nicht so sicher... dem Gesichtsausdruck nach).
 |
| "Duh, Touristen" |
Glücklicherweise konnten wir am nächsten Tag selbst herausfinden wie es ist, in der Haut einer Maiko zu stecken. Im wahrsten Sinne des Wortes: Wir drei haben uns bei einem Studio angemeldet, das uns Mädels zu Maiko und Sven zu einem ....Mann in Kimono verkleidet hat.
Während Sven innerhalb von 5 Minuten angezogen und fertig war, hat das Ganze bei uns mehr als eine Stunde gedauert. Aber klar, wir mussten ja auch aufwendig geschminkt werden und so ein alter Kimono besteht aus mehreren Lagen Stoff und komplizierter Wickeltechnick von was-weiß-ich wie vielen Bändern, die alles an Ort und Stelle halten. Außerdem haben wir eine Perücke aufbekommen. So sah das Alles schon ziemlich beeindruckend aus, weil man sich selbst im Spiegel nicht wiedererkannt hat. Im Paket enthalten waren Fotos vom studioeigenen Fotografen, der uns in die richtigen Positionen gelotst hat und sogar vorgegeben hat, wie wir gucken sollen. Danach durften wir noch eine Stunde lang mit unseren eigenen Kameras Fotos machen.
Hier ein paar davon:
 |
| Man sieht es ihm nicht an, aber er dachte "Oh mein Gott, wieso muss ich mit so einen Papierschirm posieren? " |
Und genau deshalb gleich nochmehr davon:
 |
| Er macht die Frauchlichkeit durch den ernsten Gesichtsausdruck wieder wett... |
 |
| Das ist trotzdem besser |
Mich erkennt man eher nicht wieder. Erst einmal die selbst geschossenen Bilder:
 |
| Der Kimono war echt schön und ziemlich schwer |
 |
| Meoooooooow |
Und ein paar vom Fotografen:
Das war jedenfalls eine spaßige Angelegenheit und mit rund ~80€ auch überhaupt nicht teuer, für das was man bekommt.
Danach ging es zu einem weiteren Tempel: Toji. Da wir davon ja schon viele gesehen hatten, war das recht unspektakulär.
Da Kyoto aber noch dutzende weitere hat und davon ziemlich viele einen Besuch wert sind, ging es direkt weiter zum Ginkakuji, dem silbernen Pavilion. Blöderweise haben wir uns keine Gedanken um Öffnungszeiten gemacht. Als wir um 16:30 da angedackelt kamen, hatte das Ding nämlich zu.
Dafür war der Weg dorthin ganz schön und außerdem stand ja der eigentliche Höhepunkt, die Creme de la Creme der Sehenswürdigkeiten sozusagen noch aus. Nämlich der Kinkakuji, der goldene Pavilion.
 |
| Ich hab ja noch nicht genug Sakurabilder von mir |
 |
| Typisch Japan |
 |
| Das hätte uns erwartet |
 |
| Wieder die süßen Vögel |
 |
| Master of Randomness: Polizeiwagen vor Sakurabäumen |
Der Weg zum nächsten Tempel, dem Zenjin Tempel, war auch ganz schön. Kyoto hat viele kleine Wege, die an Bächen und Grün vorbeiführen. Allem voran der "Philosopher's Walk", ein gekennzeichneter Weg, der an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.
Beim Zenjin Tempel waren wir die einzigen. Vermutlich weil es schon etwas später war. Der Ort war ziemlich schön und es gab viel zu sehen.
 |
| Noch nicht.. |
 |
| Nope... |
 |
| Jetzt |
 |
| Ich weiß auch nicht, was er da macht |
 |
| Na, wer erinnert sich noch an den Zusammenhang mit dem Rauch aus dem Räucherfass und was passiert wenn man ihn sich wohin zufächert? |
 |
| Kiki spielt mit ihren Filtern herum |
 |
| Beim Rausgehen hab ich diese kleine, hübsche Waldgrube gesehen und konnte mir eine Gollum-Performance nicht verkneifen |
 |
| "Garstige kleine Hobbitse, Gollum, Gollum!" |
Danach hab ich da einen ziemlich coolen Stock gefunden, der mich an Gandalf erinnert hat. Ich durfte ihn leider nicht mit nach Hause nehmen...
 |
| ...und das Foto ist auch nicht gut geworden. Der Stock sah echt toll aus! |
Und mit diesen großartigen Bildern verabschiede ich mich erst einmal.
Eigentlich sollte ich ja schnellstens weiterschreiben, da schon wieder einiges war und wieder geplant ist... aber ich hab keinen Bo-.....ich denke der Eintrag ist lang genug!
Die süßen Vögel sind, glaube ich, Spatzen.
AntwortenLöschenAls Geisha siehst du auch toll aus.
Mama