Dienstag, 24. Dezember 2013

メリー クリスマス! Frohe Weihnachten!

Weihnachten in Japan.. oder sollte ich lieber sagen: Ein in Japan eigentlich nicht existierendes Fest, immerhin gehören nur etwa 1% der Japaner dem Christentum an (nicht, dass wir Deutsche noch viel auf unsre Religion geben und Weihnachten aufgrund unsrer Frommheit feiern... )

Wenn man als Deutsche ein Jahr hier ist, ist das ganz schön frustrierend:
Es ist nicht kalt genug für Dezember.
Die Läden verkaufen einen Haufen an Weihnachtsdeko, aber keiner feiert Weihnachten.
Alle Leute schmücken ihre Häuser mit drölfzig Tonnen an Leuchtmitteln, aber keiner feiert Weihnachten.
Es gibt keine Feiertage, alles nimmt seinen normalen Lauf.
Und am Ende, also am 31., wird nicht einmal geböllert. 

Man ist also im Dezember in Japan, es wird so langsam kälter, aber nie so richtig kalt. Irgendwann fangen die Läden und die Leute an ihre Häuser mit allerlei blinkendem Kram zu schmücken - für uns Deutsche noch lange kein Grund in Hektik zu verfallen, denn das passiert bei uns ja auch schon gefühlt im September. Man wartet irgendwie auf die ausbrechende Hektik, in etwa "Was zur HÖLLE ist denn in der Stadt heute los? Wieso sind so verdammt viele aggressive Leute unterwegs, mit hundert Taschen im Gepäck... AH! Es ist der 23.12! Whaaaay, morgen ist Heiligabend!... Bwaaaaaaah, ich muss Geschenke kaufen!!!1111"

Aber das passiert nicht, in den Genuss dieses Winks mit dem Zaunpfahl kommt man hier nicht. Alles nimmt seinen normalen Lauf und man muss sich selbst bemühen, um herauszufinden welches Datum es ist.
Dann guckt man also auf den Kalender: Oh, der 23. Dezember!

Darauf folgt unverweigerlich ein Schmollmund und der Kopf sinkt nach unten....(ich garniere das Ganze dann immer noch gerne mit so einem Blick, der nach oben geht.)

Immerhin wird man in der Stadt mit Mariah Careys "All I want for Christmas is You" zugeschallt, von Wham aber keine Spur - und ich liebe Wham an Weihnachten. Ohne "Last Christmas" kommt man doch gar nicht richtig in Stimmung.

Um aber so ein biiiiiiiiiiisschen Weihnachtsfeeling zu bekommen, sind wir mit ein paar Freunden nach Yokohama gefahren. Dort sollte man als Epileptiker im Dezember definitiv nicht hinfahren, denn die Illumination ist echt gewaltig. Noch dazu gibts dort einen netten Weihnachtsmarkt, nach deutschem Vorbild.

Ich bin zu depressiv, um darüber zu berichten. Deshalb lass ich heute jemand anderen für mich schreiben: Lighto-Neko!

Also lehnt euch zurück und lasst euch von ihr mit nach Yokohama nehmen. Vielleicht möchtet ihr noch schnell bei Kentucky Fried Chicken vorbei, um euch Chicken Wings zu holen? Bei euch dürften die ja noch zu haben sein, hier gibts keine mehr. Nein, wollt ihr nicht? Nagut, das kann ich verstehen... okay, dann schnappt euch euren Christstollen und eine Tasse Glühwein und dann kann die Reise durch Yokohama endlich losgehen行こう! Los geht's!
Darf ich vorstellen: Lighto-Neko!



Hallo ihr lieben deutschen Weihnachtsfanatiker und Grinches! Hier ist Lighto-Neko, aber ihr dürft mich einfach Neko nennen. Woher ich Deutsch kann, fragt ihr?! Also bitte, ich bin eine Katze! Pfff, Menschen.... Genug der Worte, gehen wir endlich!


Japan ist in Sachen Illumination wirklich weltklasse. Vielleicht hat ja schon jemand von euch ein japanisches Feuerwerk sehen können: Sachen mit Licht können wir einfach, wir Japaner.


Ich fands schade, nicht eine Stunde später hier angekommen zu sein... Ah Moment...



Hier sehen wir Yokohama Cosmoworld, das ist eigentlich ein Abenteuerpark, der hier mitten in der Stadt ist! Aber an Weihnachten wird auch hier ganz passend geschmückt. Garniert mit den vor Angst schreienden Menschen in der Achterbahn kommt hier echt besinnliche Weihnachtsstimmung auf.
Wer hat eigentlich mit diesem Coca Cola Kram an Weihnachten angefangen? Ah, Coca Cola wahrscheinlich... naja jedenfalls sind die Eisbären und die Trucks auch hier in Japan berühmt. 
Leider hab ich den Menschen in dem riesigen Eisbärenkostüm nicht mit auf dem Bild.



Auf zum Weihnachtsmarkt. Ja, richtig gehört! Wir Japaner finden deutsche Kultur recht interessant. Ihr würdet euch wundern, an welchen Stellen man überall Dinge erblickt, die aus Deutschland kommen.
Das hier zum Beispiel findet man im Yokohamaer Bahnhof, na wem kommt das bekannt vor? Die Rechtschreibfehler mal außen vor...


Wir finden ja, dass wir sehr viel miteinander gemeinsam haben, also ihr Deutschen und wir Japaner. Wir arbeiten viel und sind fleißig, wir können mit anpacken, sind pünktlich und wenn wir etwas herstellen, dann machen wir es richtig. Naja, so ist jedenfalls die Theorie.

Zumindest ist das der Grund, warum wir deutsche Kultur sehr schätzen. Deshalb hat auch der Weihnachtsmarkt zu uns gefunden. Außerdem mögen wir alles, was mit Alkohol zu tun hat, aber das nur nebenbei... Ah, kommt, trinken wir einen Glühwein!


Wir Japaner sind übrigens auch recht unempfindlich gegen Kälte. Jedenfalls die Weibchen.





Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass irgendwer auch nur den blassesten Schimmer hat, warum der Typ und die Tante ihr Kind in so eine erbärmliche Krippe legen. Ihr Christen müsst wohl einfach schreckliche Eltern sein.
 
Ein Lebkuchenherz gefällig?


Oder doch lieber Bratwurst mit... ähm Brezel? Also von dieser Kombination habe ich noch nicht gehört... aber wundert euch nicht, manchmal werfen wir Japaner alle möglichen Dinge einer Kultur zusammen und verkaufen sie dann eben auch so.
Ich meine... wer findet schon heraus, dass das so in echt gar kein Deutscher in der Kombination isst? Hahaha... ah, Moment... ihr seid ja... Ähm... Wow, schaut euch den Baum an!





Auch eine Schlittschuhbahn gibt es hier. Lustigerweise scheinen die japanischen Menschen nicht so viel Lust auf Schlittschuh"fahren" zu haben, sondern geben sich zumeist mit Schlittschuh"stehen" zufrieden.... Nein wirklich. Die meisten sind nicht gefahren, sondern in Schlittschuhen am Rand entlanggegangen, oder haben sich in einer Ecke auf dem Eis unterhalten... Das nenne ich sinnvoll ausgegebenes Geld. Aber vielleicht wollten sie auch nur an der langen Schlange für das Schlittschuhlaufen anstehen und dachten sich, als sie dann tatsächlich dran kamen "しょうがないね。。。" (Shou ga nai, Da kann man wohl nichts machen).
In der Schlange stehen machen Japaner nämlich mindestens so gerne wie Engländer.
Gäbe es Schlittschuhe in Katzengröße hätte ich das Eis jedenfalls gerockt!


Oh und hier haben wir den Weihnachtsmann mit seiner Kutsche. Der sieht ziemlich japanisch aus, dieser Weihnachtsmann...




Und das hier wäre die Fähre. 1500Yen für ein bisschen rumschippern im geschmückten Yokohama.


Ihr habt übrigens Glück, dass ihr heute nach Yokohama kommt. Denn hier ist heute das Kerzenfest. Was der Hintergrund ist, weiß ich gar nicht so genau, aber es sieht echt toll aus!




Nyaaaaaaaaaaan, also wisst ihr, so langsam knurrt mir der Magen. Wir wär's wenn wir einen kurzen Stop einlegen bei Garlic Jo's? Das hat jetzt nichts mit Weihnachten zu tun, aber der Laden ist echt angesagt. Ich meine, die verkaufen alles mit Knoblauch, sogar Tiramisu!


Wir Japaner essen echt gerne. Deshalb lassen wir uns auch so einiges einfallen. Aber hier passe ich lieber... Hey Chef, einmal Shrimps mit Shrimps bitte! ありがとう ございます! (arigatou gosaimasu, oder auch "Dankeschön!")

Aaaaah, jetzt geht es mir besser. Puh, aber ich werde plötzlich ganz schön müde... wollen wir uns nicht lieber auf den Rückweg machen? Ich meine, euer Flug ist doch ganz schön lang und ihr wollt euren deutschen Heiligabend doch nicht verpassen, oder?! Also dann, ab mit euch!

Ich wünsche euch und eurer Familie....





*hach* Ja ja, sowas können wir einfach, wir Japaner.

Wie dem auch sei, NYERRY CHRISTMAS!




Noch ein paar Fotos:

So sahen die Wände in dem Restaurant aus, total genial

Das Menü


Knoblauchbrot
Kein Schimmer was das ist, aber es war definitiv ein Foto wert
Das nennt man "Liebe"....
Und das nennt man "Im Zug einschlafen, behindert aussehen und ein leichtes Ziel für Racheakte sein"
Aber ich hab meine Zuneigung noch bekommen.... was der Mieze jetzt nicht unbedingt aus den Augen spricht, aber wir mögen uns!

Freitag, 20. Dezember 2013

Wenn man vom Teufel spricht...

...flattern die JLPT Practice Test Ergebnisse genau dann ins Haus, wenn man ein paar Stunden vorher noch voller Hass über den JLPT in seinem Blog geschrieben hat:



Wie schade, dass mir dieses Ergebnis rein gar nichts bringt... Wenn der echte JLPT doch auch nur so ausgehen würde T_T

Der echte JLPT, mein Job an der Highschool und was sonst noch so war

Es hat sich wieder einiges angesammelt, ein Blogeintrag ist auch längst überfällig, also fange ich mal an.

In letzter Zeit war es mit dem "Holiday"-Part von "Work&Holiday definitiv vorbei. Ersteinmal stand der JLPT an, der echte diesmal und außerdem war da der Job in der Schule und diverse kleine Jobs als Sprachlehrerin. Letzteres hatte ich mir selbst eingebrockt. Mein Spitzname ist nun nichtmehr "Desi" sondern "Sensei", was okay ist wenn Freunde einen spaßeshalber so nennen. Wenn es ein ~65jähriger Mann macht ist das schon wieder was anderes... aber dazu komme ich später.

Also, der echte JLPT. Sven und ich hatten das Glück den JLPT an der Tokyo Daigaku zu schreiben. Dass das ein Glück ist, wussten wir aber eigentlich gar nicht, bis wir nach den wiederholten Reaktionen der Leute die uns fragten wo wir denn schreiben immer wieder ein "Waaaaaaaaaas, eeeeeeeeeecht?" als Antwort erhielten. Die Tokyo Daigaku ist die Uni in Japan, die die schwersten Einstiegstest hat. Jeder hat sicher schon von den unmöglich hohen Anforderungen der japanischen Unis an ihre potenziellen Studenten gehört und die Tokyo Daigaku setzt dem jedes Jahr sozusagen die Spitze auf. Wenn man es als Schüler an diese Uni schafft, kann man also echt stolz auf sich sein, denn das schaffen nur die wenigsten. Die Uni mal von Innen zu sehen ist also irgendwie ein Privileg.

Nachdem unsere Erwartungen an die "Location" also durch die wiederholten "Ueeeeeeeeeeeeeeeeeeeeh, hontou????" ins Unermessliche stiegen ("Die Räume sind bestimmt total modern und der Campus generell sieht bestimmt richtig abgefahren aus") machten wir uns am Tag des JLPT auf den Weg und wurden relativ schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Also wer die Uni Düsseldorf kennt weiß, dass sie ein reinster Kackhaufen aus bloßem Beton ist. Die Tokyo Daigaku sieht ähnlich aus.
Entweder man hat uns blöde Ausländer also zu dem hässlichsten Part des Campus geschickt, nach dem Motto "Die sprayen uns eh nur die Hütte voll, schicken wir die zum stillgelegten Teil" oder die Uni hält es ganz nach dem Spruch "Die inneren Werte zählen."
Aber was solls, wir waren ja nicht zum Vergnügen da.... nein ein Vergüngen war der JLPT echt nicht.

In diverse Räume aufgeteilt musste sich jeder an den Platz mit seiner Nummer setzen. Auf dem Tisch durften nur Bleistift und Radiergummi liegen, Tasche und Jacke mussten unter den Tisch. Der Mensch der in meinem Raum das Sagen hatte, war echt unheimlich kleinkariert und streng. Pünktlich wie eine Atomuhr fing er mit seinen Erklärungen an, diesmal sehr viel anschaulicher als beim Practice Test: Er hielt eine rote und eine gelbe Karte hoch. Wer wegen kleinerer Vergehen zweimal (oder dreimal, ich habs vergessen) die gelbe Karte bekommt, bekommt daraufhin die rote Karte und muss den Raum sofort verlassen, bei größeren Vergehen gibt's sofort die rote Karte. Was ein kleines und was ein großes Vergehen war wurde uns sehr schnell bewusst, als er einem Mädchen in der ersten Reihe, die mit ihren Fingern schon am Fragebogen rumnestelte prompt die gelbe Karte vors Gesicht hielt.... Okay, es hieß also sich wirklich an das zu halten was gefordert wurde, hier wurden keine leeren Drohungen ausgeprochen.

Dann ging es los, genau wie beim Practice Test war der echte JLPT in 3 Teile unterteilt: Vokabeln/Kanji, Grammatik und zu guter Letzt Hörverstehen. Man bekam einen Frage- und einen Antwortbogen. Auf dem Antwortbogen musste man per Multiple-Choice-Verfahren einfach nur die Nummer anmalen, die man für die richtige Antwort hielt. Kinderleicht, im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein paar Kinder nahmen auch am Test teil und die hatten dieses Prinzip verstanden. Am Ende des ersten Teils, also Vokabeln und Kanji, als die Verantwortlichen unsere Bögen einsammelten wurde die Stille plözlich von einem lauten "OH NO FUCK!" unterbrochen. Ein Typ hatte das Prinzip "Ich muss meine Antworten auf dem Antwortbogen einzeichnen" anscheinend doch nicht geschnallt und hat alles nur in den Fragebogen geschrieben. Als den Verantwortlichen also beim Einsammeln auffiel, dass sein Antwortbogen leer ist und ihm sagten "Ja, ähm, also das war es dann für Sie." wurde ihm seine Dummheit wohl erst bewusst, was er lautstark mitteilte.
Für ihn war es also gelaufen. So richtig bemitleiden konnte ich ihn ob seiner Doofheit aber nicht.

Für mich lief der erste Teil echt gut, ich hatte mit Kanji und Vokabeln keinerlei Probleme und dachte mir erst noch "Vielleicht wäre Level 3 doch besser gewesen, das ist hier ja ein Kindergeburtstag." bis Teil Zwei kam: Grammatik. Alter Falter.... das war unverhältnismässig schwer. Ich guckte mich heimlich im Raum um, ob ich in den Gesichtern der anderen Gequälten lesen konnte ob es nur mir so ging, oder ob auch sie echte Probleme mit diesen fiesen Sätzen hatten. Jedem stand der Schweiß auf der Stirn und als Cheffe auf die Sekunde genau "STIFTE HINLEGEN, ZEIT VORBEIIIIII!" brüllte, ging der Raum in lautem Stöhnen unter. Scheinbar konnte ich froh sein zu denen zu gehören, die den Teil immerhin innerhalb der Zeit geschafft haben.

Nach dieser Tortur kam also Hörverstehen, was auch wieder zu leicht war. Ich hatte keinerlei Probleme beim Hörverstehen, was mich aber auf die Palme brachte. Vokabeln/Kanji und Hörverstehen waren wirklich zu leicht, Grammatik war viel zu schwer (verglichen mit alten Tests, die man im Netz runterladen kann um sich zu testen). Der Test war richtig unbalanciert, verlangte einem hier viel zu wenig ab und da viel zu viel. Das Problem ist, dass man in jedem Teil 60% haben muss um zu bestehen. Ich habe mich also schon davon verabschiedet, bestanden zu haben. Ergebnisse gibts aber erst irgendwann im Januar, dann habe ich es Schwarz auf Weiß.

Wie auch immer, der Tag war schnell aus meinem Gedächtnis verschwunden, weil die Highschool mir genügend Ablenkung verschaffte.

Ich liebe den Job echt, es ist immer so als wäre ich im falschen Film.
Einerseits ist da diese unglaubliche japanische Strenge: Das Schultor wird zum Beispiel um Punkt 8:50 Uhr geschlossen, wer zu spät kommt muss daraufhin eine Woche lang früher antanzen und sich im Lehrerzimmer melden. Außerdem gibt es Tage, an denen die Lehrer spontan beschließen sich am Schuleingang aufzustellen, um das Aussehen der Schüler zu checken.

Genau so ein Tag war einer der ersten meiner Arbeitstage. Um 8:30 Uhr hieß es also "Kommt, wir gehen raus und checken die Schüler." Draußen stand schon ein Pult bereit wo zwei Lehrer saßen, die dafür  zuständig waren die Namen der Schüler, die aus dem Raster fielen aufzuschreiben. Denn diese Schüler mussten sich am darauffolgenden Montag noch einmal vorstellen und zwar mit passendem Aussehen.

Geprüft wurden:
- "Hat der Schüler sich die Haare gefärbt?" Das ist ein kleeeein wenig unfair, denn hier wurde nach der Manier ausgesiebt "Echte Japaner haben tiefschwarzes Haar."Sprich, wenn jemand als Naturhaarfarbe auch nur einen leichten Braunton hatte den man nur sieht wenn die Sonne aufs Haar scheint, muss das glaubhaft gemacht werden. Wenn die Lehrer das nicht glauben, muss der Schüler sich die Haare tiefschwarz färben.

- "Sitzt die Krawatte richtig?" Wenn die Krawatte nicht richtig sitzt, ist es völlig normal, dass ein Lehrer den Schüler erstmal richtig anzieht. Dazu kann auch gehören, dem Schüler das Hemd richtig in die Hose zu stecken. Sehr lustig.

- "Wie hoch sitzt der Rock der Schülerinnen?" Wenn man den Hintern fast sehen konnte, zu hoch.

-"Tragen alle ihre richtigen Schuhe?" Zur Uniform gehören auch die passenden Schuhe.... nicht dass die Schuhe beim Betreten der Schule angelassen werden können, aber was solls.

- "Ist irgendwer gepierct/geschminkt?"

Ich habe mir dann die Frage erlaubt was denn ist, wenn die Eltern den Schülern einen Brief mitgeben der in etwa lautet "Hallo, ich habe meiner Tochter erlaubt, sich die Haare in einem natürlichen Braunton zu färben und sich die Ohren zu piercen. Das geht also in Ordnung."? Auch das wird nicht gestattet. Alle haben gleich auszusehen, auch wenn die Eltern irgendwas erlaubt haben, das muss rückgängig gemacht werden. Ooookay.

Da das Ganze aber eher lustig, als total streng von Statten ging, war es irgendwie in Ordnung. Die Schüler finden diese Aktion auch ganz spaßig, weil der Schuleingang zum Catwalk mutierte und jeder der rausgewunken wurde unter Applaus der anderen Schüler zum Lehrerpult ging um sich aufschreiben zu lassen.
Was deutschen Schülern auf den ersten Blick also Angstschweiß ins Gesicht treibt, ist gar nicht so schlimm.

Im totalen Gegensatz zu solchen Aktionen steht dann der alltägliche Umgang der Schüler mit den Lehrern. An meinen ersten Tagen beispielsweise durften die Schüler mir Fragen stellen. Was meine Hobbies sind, oder wie Schulen in Deutschland sind (also ganz offensichtliche Fragen, die ein Schüler einer Autoritätsperson stellen darf, ohne auf die Finger zu kriegen) waren da völlig außen vor. Ich wurde gefragt, was für Männer ich mag, ob ich einen Freund habe, wann ich Kinder kriegen will und so weiter. Als panische Seitenblicke meinerseits zu den Lehrern nichts brachten und ich sah, dass auch diese mich voller Interesse, auf eine Antwort wartend anguckten habe ich verstanden, dass sowas hier ganz normal ist. Lehrer und Schüler in Japan (oder zumindest an dieser Schule) haben ein richtig freundschaftliches Verhätnis. Dazu gehört auch, dass Lehrer und Schüler sich freundschaftlich umarmen, oder dass Lehrer wenn die Schüler es zu weit treiben vor ihnen in Tränen ausbrechen (leider musste ich das hautnah miterleben und fühlte mich wie in einer falschen Welt).

Schnell war die anfängliche Distanz verloren und ich war nicht mehr "Desi-Sensei" sondern "Desi-Chan" und habe mit Schülern zusammen posiert, während andere Lehrer Fotos von uns als Andenken machten. Verkehrte Welt...

Wie auch immer, mir gefällt der Job sehr. Denn abgesehen davon, dass das Verhätnis zu Schülern und Kollegen echt gut ist (ein Lehrer hat sich selbst Deutsch beigebracht, wer kann sowas?!) habe ich auch die Möglichkeit an den After School Activities teilzunehmen. Unglaublich was die Schulen in Japan ihren Schülern bieten. Erstmal gibt es immer nur 5 Stunden Unterricht - eine Stunde entspricht aber auch 60 Minuten - und danach heißt es Spaß haben. Das After School Angebot ist nämlich echt großartig. Mit unserem standardmäßigen langweiligen AGs in Deutschland nicht zu vergleichen. Hier gibt es: Basketball in einer richtigen Halle, Baseball auf einem richtigen Feld, Tennis auf nem richtigen Feld, Teezeremonie in einem traditionell eingerichtetem Zimmer, Hip Hop, Kendo, traditionell japanische Musik auf dem Koto und so weiter.
Für solche Aktivitäten wie Hip Hop, Teezeremonie, das Beibringen des Kotos etc. werden auch extra richtige Lehrer eingestellt.
Ich wurde dazu eingeladen an der Teezeremoniegruppe teilzunehmen und habe mir die Gelegenheit auch nicht entgehen lassen. (Möchte man als typischer Touri normalerweise an sowas teilnehmen, zahlt man richtig viel Knete.) Seitdem gehe ich also jeden Mittwoch ins Tatami-Zimmer und lerne, wie man richtig Maccha zubereitet. Und das ist alles komplizierter als man denkt... und ich kann es nicht erklären, also belassen wir es dabei.

Der Job an der Schule ist leider nur zweimal die Woche. Trotzdem wird mir kaum langweilig, da ich wie gesagt zum Sprachlehrer des Guesthouses mutiert bin. Einer Koreanerin bringe ich Englisch bei und einem Japaner Deutsch. Außerdem hat einer der Japanischlehrer von meinem Japanischkurs mich gebeten, einem seiner Freunde Englisch beizubringen. Warum nicht?

Und so wären wir beim nächsten Punkt:  Mein ~65 jähriger Schüler.
Ein ganz netter, sehr höflicher und kluger Mann, der sich selbst Thailändisch beigebracht hat, so ganz nebenbei, während er noch arbeiten geht und sowieso recht ausgebucht ist. Der typische Japaner eben.
Da er ein Japaner ist, wie er im Buche steht kommt auch die Höflichkeit nicht zu kurz. Er spricht in feinstem Keigo mit mir, also das höchste Höflichkeitslevel das die japanische Sprache hergibt und was man als Ausländer, der Japanisch lernt erstmal mit "Ach, das muss ich nicht verstehen, so redet keiner mit mir."  abtut (Notiz an mich: Kacke). Dazu gehört, dass er mich Sensei nennt und sich verbeugt wenn wir uns begrüßen und uns verabschieden.
Ich versuche einfach so höflich zu sein, wie es mir mit meiner eigentlich Plumpheit möglich ist und hoffe, ich komme damit durch.

Das ist ein guter Moment, um diesen Blogeintrag zu beenden.

Bald ist Weihnachten, das in Japan zwar nicht gefeiert wird, aber trotzdem ist hier alles geschmückt, als wären die Polen einmaschiert. Es leuchtet und blinkt an jeder Ecke und KFC ist schon ausgebucht.
Davon dann mehr nach Weihnachten!

Und ein paar neue Japanfakten:

13. Wer zu Silvester nach Japan kommen will, um ein großes Feuerwerk zu erleben wird enttäuscht: An Silvester wird hier nicht geknallt.

14. In den Schulen werden keine Straßenschuhe getragen, sondern Slipper/Socken

15. Schüler können nicht sitzenbleiben

16. Japanische Fenster haben keine Doppelverglasung (scheiße, ist mir gerade kalt)

17. An Weihnachten - obwohl kein japanischer Feiertag - ist es zur Tradition geworden, Chicken Wings von KFC zu essen. Deshalb ist KFC schon Wochen vor Weihnachten "ausverkauft"

18. Es ist unhöflich, sich die Nase vor Fremden zu putzen

19. Es ist okay, stundenlang die Nase hochzuziehen weil man sich die Nase nicht putzen darf

20. Beim Essen seine Stäbchen abzulegen, in dem man sie in den Reis steckt ist ein Fauxpas. Denn das erinnert an die Räucherstäbchen die in den Tempeln angezündet werden, auch bei Beerdigungen

21. Japan hat sich bis heute für seine früheren Kriegsvergehen nicht bei Korea entschuldigt. Im Gegenteil wird davon bis heute nicht wirklich in den japanischen Schulen aufgeklärt. Spricht man Koreaner darauf an, können diese sich mitunter sehr, SEHR in Rage reden (O_o)


22. Lehrer in Japan geben nur ein Unterrichtsfach