Sonntag, 1. Februar 2015

I am back, goodbye!


Ich könnte jetzt behaupten, dass es volle Absicht war, seit letztem Mai nicht mehr geschrieben zu haben, weil ich wegen des Rückflugs nach Deutschland zu aufgeregt war, es nichts mehr zu sagen gab, oder ich abwarten wollte, was sich in der Heimat jobmäßig entwickelt ...
Aber das wäre eine Lüge. Ich bin einfach nur faul.

Seit mehreren Monaten gammelt da ein Bilderordner auf meinem PC rum, der schimpft sich "Letzter Blogeintrag Bilder". Der Blogeintrag mit den letzten Eindrücken aus Japan war fest geplant … und hier ist er, mein letzter Blogeintrag!

Nur ein bisschen anders, denn ich kann gar nichts mehr groß zu den Bildern sagen, weil ich vergessen habe, wann was war :D
Daher streue ich nun ohne viele Worte Bilder ein. Das war also noch nach Okinawa:

In Shibuya:




















Noch ein Besuch beim Meiji-Tempel:













 In Odaiba, wo zu der Zeit ein "Oktoberfest" war und wo der berühmte Gundam steht (ich habe btw. Angst vor den Transformers-Filmen und dieses Ding hat sich auch noch ein bisschen bewegt ... so IN ECHT):







Yeeaaaaah, wer will nicht 6€ für ne Flasche Hofbräu ausgeben?!





Im Kaiserpalastgarten:










 Beim Tätowierer:



"Ich habe 1 Jahr Tokyo überlebt!"

Svens Tattoo sah sofort aus wie verheilt
 Unsere letzte Stunde im Sprachkurs:
Meine Lehrerin (die, die das Peace-Zeichen macht), hat mir Sailor Moon Gacha geschenkt. Total toll.
 Unsere letzte Feier im Oakhouse:





Random:
Aloe Vera Joghurt

Weil Obama Japan einen Besuch abstattete, waren die Mülleimer versiegelt worden ...

"Besoffen die Gleise entlangzugehen ist gefährlich"

Tomate-Kirsche, das war sooo ekelhaft

Möhre-Orange, das war noch ekelhafter



Golden English

More golden English




Die letzte Zeit in Japan war eigentlich nur noch geprägt von „Ich will eigentlich am liebsten heute schon zurück“ und „OMGOMG, nur noch so wenig Zeit, ich will noch so viel machen!“.
Aber was mir am Anfang große, glitzernde Augen beschert hat – Tokyo mit seinen riesigen Wolkenkratzern, den monströsen Werbedisplays, den unglaublich vielen Menschen und Geräuschen und und und – hat am Ende nur noch genervt. Wenn man für längere Zeit irgendwo lebt, dann hat man seine Routine und dazu gehören eben auch alltägliche Erledigungen. Und wenn man das alles in Tokyo machen muss, ist das ätzend. Zum Beispiel in Shibuya:



Ein bisschen wehmütig ob der ganzen „letzten Male“ war ich aber schon. Das letzte Mal zu Sushiro, die letzte Houseparty, das letzte Mal zu unserm Supermarkt, das letzte Mal PASMO aufladen und Zug fahren und dann sich von allen liebgewonnen Menschen verabschieden und von unserem Kleiderschrank, aka Zimmer.

Aber am 6.6.14 war der Zeitpunkt gekommen und es ging zurück. Wir waren so aufgeregt, wir haben nicht geschlafen und den letzten Abend/die letzte Nacht mit unseren Freunden verbracht.
Dann folgte die Zimmerübergabe, alles paletti und das letzte auf Wiedersehen. Jerome hat uns noch ein paar Zugstationen lang begleitet und dann ging es zum Flughafen, nächster Halt: Düsseldorf! Ach nein ... erst München -.-
Alle sind extra früh aufgestanden


Wir hatten vorher schon rund 25 Kilo Zeug per Schiffsfracht nach Deutschland geschickt. Das hat uns schon mal eine große Last von den Schultern genommen (wortwörtlich), aber ich habe mich ja nicht gerade zurückgehalten, was das Kaufen von coolem Kram angeht und dann standen wir die letzten paar Tage vor dem Rückflug da … 80Kilo Freigepäck plus Handgepäck und es reicht doch nicht, weil Desi Unmengen an Merchandise kaufen musste. Wir mussten aber nicht viel da lassen. Nur der Zoll bereitete uns Kopfzerbrechen, aber nuja, alles rein damit und ab durch die grüne Schleuse #yolo
Außerdem hatten wir unsere großen Koffer von einem Unternehmen vorher schon mal zum Flughafen bringen lassen, denn mit so viel Gepäck unter der Woche Zug zu fahren ist in Japan reinster Selbstmord. Das könnt ihr ja mal als Mutprobe machen.

Am Flughafen Haneda haben wir noch unser letztes japanisches Essen eingenommen (Ramen) und sind ein bisschen umhergestreift und dann ging's los. Ich war soooo aufgeregt.

Es war schon komisch, an Bord waren natürlich auch deutsche Stewardessen und Stewards. Sehr eigenartig, nach einem Jahr wieder Deutsch zu hören... so von anderen Leuten, ohne beteiligt zu sein.
Irgendwann folgte dann das erste deutsche Bier seit langem und an mehr erinnere ich mich auch nicht, was den Flug betrifft :D

In München angekommen, hat mich der erste Kulturschock getroffen. Ich habe damit GAR NICHT gerechnet. Ich hatte in Bezug auf Deutschland eine total rosa rote Brille auf, die mir dort aber rigoros runtergerissen wurde, gefolgt von zwei Ohrfeigen und einem Tritt in den Hintern: Boar, sind wir Deutschen unfreundlich! Ob als Kunde, oder als Angestellte, wie unverschämt wir zum Teil sind! Das war ich überhaupt nicht mehr gewohnt.
Und was für andere Kleinigkeiten mir noch aufgefallen sind, zum Beispiel, dass wir mit Vorliebe im Weg stehen und uns keinen Zentimeter bewegen, obwohl wir sehen, dass jemand vorbei möchte.
Das hat mich ja schon immens genervt. Aber vielleicht sind die Münchner ja auch einfach nur so kack unfreundlich … dachte ich mir da noch so.

Egal, auf nach Düsseldorf! Dort angekommen stand dann der gefürchtete Gang durch den Zollbereich an … oder auch nicht. Wie toll es ist, wenn man Freunde hat, die am Flughafen arbeiten :D Unsere Freundin (und dortige Angestellte) Lara wusste, wann wir ankommen würden und wartete schon am Ausgang auf uns. Ihr sind wir dann hinterhergedackelt und konnten ungeschoren davonkommen. Allerdings war der Zollbereich dann sowieso unbesetzt … höhö.

Ich habe es auf dem Weg nach draußen dann noch geschafft, meine Jacke zu verlieren, aber das war mir dann auch egal. Meine Tante und mein Onkel warteten schon auf uns und schlossen uns in die Arme. Ein tolles Gefühl, Familie nach so langer Zeit wiederzusehen.
Noch toller, wenn die eigene Mutter gar nicht weiß, dass man ne Woche früher aus Japan wiederkommt und man sie dann an der Haustür überrascht. Das war nämlich der Plan *muahaha* und der ist voll aufgegangen.

Die Autofahrt von Düsseldorf nach Wuppertal ist ja nun nicht lang und als wir vorfuhren, war meine Mutter ausgerechnet gerade mit den Hunden draußen und hat das Auto meines Onkels erkannt. Wir duckten uns also schnell, ich kam mir vor wie im Kindergarten, aber das wars wert. Sie war erstmal genug abgelenkt, denn sie dachte, dass mein Onkel und meine Tante doch eigentlich noch im Dänemark-Urlaub sein müssten. Also nutzte ich die paar Sekunden ihrer Verwirrung, stieg geduckt aus dem Auto aus und SPRANG ihr ins Gesichtsfeld. Die Hunde sind komplett ausgerastet – Check – und meine Mutter auch – Doppelcheck – Mission accomplished. Das war toll.
Yoko ist so ein untypischer Kater, der war gar nicht beleidigt, hatte erstmal nur Schiss aber nach ein paar Stunden war er wieder ganz mein Kuschelmonster. Eeeeeeendlich wieder Zuhause.

Es folgten ein paar Wochen Nichtstun und einleben und dann ging der Ernst des Lebens los: die Jobsuche! Mein Ziel war ja schon seit Jahren gesteckt, ich wollte Übersetzerin für Spiele werden!

Also auf ans Bewerbungen schreiben … *spoileralert* Ich habe genau eine Bewerbung geschrieben.

Die Jobs in diesem sehr speziellen Bereich sind sehr rar gesät, aber eine Firma suchte zu der Zeit tatsächlich nach Übersetzern. Eigentlich hatte ich nicht viel Hoffnung, dass ich genommen werde. Es wurde nach wem mit Erfahrung gesucht, die hatte ich ja nicht. Aber das Tolle an dieser Bewerbung war, dass man gleichzeitig auch einen Übersetzertest machen und mitschicken musste. Das war ziemlich gut und genau das sah ich als meine Chance. Und nicht lange nachdem ich die Bewerbung samt Test abgeschickt hatte, wurde ich zum Vorstellungsgespräch nach Berlin eingeladen.
Ich hatte määäächtig Bammel, weil ich mich mental überhaupt nicht darauf vorbereitet hatte, wirklich eingeladen zu werden. Vor allem weil ich direkt nach der Bewerbung eine Mail erhielt, nach dem Motto „Wir selektieren gerade die zig Bewerber, Sie hören dann von uns ... *lol*“.

Also auf nach Berlin. Das Vorstellungsgespräch war ganz anders, als gedacht. Total locker und so gar nicht gemein. Dadurch, dass es komplett auf Englisch war, stellte man wohl die für den Job wichtigste Voraussetzung fest: ob der Kandidat wirklich Englisch kann, oder eben nicht. Und ob man auch selbst Spiele spielt und dementsprechend mit Spiele-Lingo vertraut ist, war natürlich auch total wichtig. Diese Qualität bringe ich ja zur Genüge mit *höhö*.
Jedenfalls habe ich mich direkt gut aufgehoben gefühlt und gehofft, eine positive Antwort zu erhalten. Was ich mir davor für einen Kopp gemacht habe! Im Nachhinein muss ich sehr darüber lachen, darüber nachgedacht zu haben, meinen Nasenpiercing rauszunehmen, weil sich das bei einem Vorstellungsgespräch womöglich nicht gehört (trotzdem ließ ich ihn aus Prinzip drin). Als mir eine tätowierte Dame die Tür öffnete, war das Problem schon mal geklärt. Sehr sympathisch.

Jedenfalls erhielt ich 1 oder 2 Wochen später dann eine positive Antwort! Whohooooo~ ...ups, jetzt muss ich ja nach Berlin ziehen!
Und DAS war der Horror! In Berlin eine Wohnung zu finden ist schwerer, als einem Japaner Englisch beizubringen. Was das bedeutet, kann sich nun jeder selbst überlegen.

Am 1. September sollte ich anfangen und eine Woche vorm Stichtag fand ich dann endlich eine Wohnung. Phew. Ohne Besichtigungstermin natürlich.
Hier angekommen war ich richtig geschockt. In Wuppertal wohnte ich direkt neben einem Wald und einer ruhigen Straße, in Tokyo zwar direkt neben einer Autowerkstatt, aber das Umfeld mutete auch eher nach ruhigem Wohnviertel an und in Berlin sollte ich nun hier wohnen:




Uiuiui, das gefiel mir gar nicht. Aber was solls, ich war einfach nur froh, ein Dach über dem Kopf zu haben und außerdem würde ich ja Vollzeit arbeiten.

Und dann ging der Job los und hier bin ich nun. Die Büros liegen direkt an der Spree, meine Kollegen sind toll, ich kann mir meine Arbeitszeiten selbst aussuchen, es wird viel für die Mitarbeiter getan (Shiatsu-Massagen, Yoga, freie Getränke und Obst, Sprachkurse, sonstige Veranstaltungen und Feiern …) und die Arbeit ist super. Ich habe in der kurzen Zeit schon total viel gelernt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass einem von Anfang an viel zugemutet wird, oder sagen wir mal, es wird viel Vertrauen in die Mitarbeiter gesetzt, auch wenn sie neu sind. So habe ich nun schon viele Spiele kennengelernt und mitübersetzt.

Wenn mir jemand vor Japan gesagt hätte, dass ich in Deutschland eine Bewerbung schreiben und dann direkt als Spieleübersetzerin eingestellt werden würde, hätte ich denjenigen wohl ausgelacht.

Umso toller finde ich es, diesen Blog mit folgenden Worten zu schließen: 

やったああああ~!!!



 Und danke an alle, die meinen Blog verfolgt haben!