Ich würde ja gerne mit "Und dabei fing alles so gut an" beginnen, aber das wäre eine Lüge, denn der 05.07.2013 fing nicht gut an: Es war der bisher heißeste Tag hier! Uns lief die Suppe also schon, bevor wir den Fuji überhaupt ansatzweise gesehen, geschweige denn unsere Wanderung begonnen haben.
Trotzdem starteten wir um 16:30 Uhr pünktlich mit unserem Vorhaben! Julie, Jerome, Sven und ich verließen jeder mit einem total vollgestopften Rucksack (und trotzdem nicht ansatzweise vorbereitet auf das, was uns da erwarten sollte) das traute Heim, um die ersten 20 Minuten bis nach Tanashii zu latschen, von wo aus der erste Zug ging. Nun ging es bis nach Shinjuku, wo der Bus abfuhr, der uns bis zur fünten Station des Fuji bringen sollte ( Kawaguchiko ), welche schon auf 2305 Höhenmeter des Fuji liegt. Da der aber erst um 19:30Uhr abfuhr, hatten wir noch etwas Zeit und liefen ein bisschen in Shinjuku rum.
Die Busfahrt selbst dauerte noch einmal 2 1/2 Stunden, sodass wir um 22 Uhr an Kawaguchiko ankamen und das Abenteuer begann!
Vorweg: Der eigentliche Plan war, den Fuji in gemütlichen 5 Stunden hochzumarschieren, um pünktlich zum Sonnenaufgang oben angekommen zu sein. Unterwegs ganz locker ein paar phänomenale Fotos schießen, die Atmosphäre genießen, Spaß haben.... der Aufstieg ist unter normalen Bedingungen nämlich wirklich nicht schwer.
Der mächtige Fuji-san dachte sich bei unserem Vorhaben an jenem Tag wohl einfach nur "NEIN!" und reckte uns seinen imposanten Mittelfinger entgegen, denn uns erwartete ein Unwetter vom feinsten.
Der Busfahrer an Kawaguchiko sagte noch zu jedem der ausgestiegen ist "Heute ist es extrem windig, also seien Sie bitte vorsichtig!" aber irgendwie dachten wir uns nur "Hmh, jaja" und sind los.
| Ausgerüstet mit unseren soeben erstandenen Wanderstöcken ging es los |
Der Anfang war auch noch in Ordnung, es ging zwar relativ steil auf einer Schotterpiste hoch, das war anstrengend, aber vollkommen okay, da das Wetter noch mitspielte. Doch schon bald verließ uns unser Glück: Je näher wir den Wolken kamen, desto stürmischer und regnerischer wurde es. Ab der 7. Station waren wir inmitten der Wolken und es schepperte einfach nur noch um uns herum: Sturm und Regen!
Ausgerechnet fing hier auch noch der gefährliche Teil des Aufstiegs an, denn man musste wirklich steil klettern und sich an den Steinbrocken festhalten.
Wer denkt, dass die Wege gut abgesichert sind und es irgendwelche verankerten Haken gibt um sich festzuhalten, der irrt. Es gibt Wegmarkierungen die eben den Weg zeigen, an denen sollte man sich aber nicht festhalten, wenn einem sein Leben lieb ist.
So kraxelten wir also in unseren normalen Jeans und - in Svens und meinem Fall - normalen Schuhen den Fuji hoch und klammerten uns verzweifelt bei jeder starken Windböe an den Steinen fest: Denn es ging tief runter und der Wind war bei weitem stark genug, einen Menschen wegzufegen, wie zwei Japaner anschaulich bewiesen..... zu meinem Unmut, denn ich hatte sowieso Schiss bis zum geht nicht mehr. Aber keine Sorge: Da die Wetterlage so schlimm war, hat jeder sich für jeden verantwortlich gefühlt und die fallenden Leute festgehalten, damit der Fuji keine weiteren Todesopfer fordert... wie beruhigend.
Wir kletterten also langsam und schon klitschnass weiter und hatten einfach nur noch im Kopf, die Stationen 8,9 und 10 (also die Bergspitze, das ZIEL!) möglichst schnell zu erreichen, Sonnenaufgang fix angucken und wieder weg.... Daraus wurde nichts. Denn nach Station 7 folgten im Abstand von jeweils ca. 1 Stunde gefühlte drei weitere Stationen, die "7" hießen. Unsere Kräfte schwanden, denn je höher wir kamen, desto regnerischer, windiger und somit kälter wurde es und unsere Hoffnung schwand.
An Station 8 angekommen, waren wir vollkommen am Ende und da das Schild .....
...nicht gerade aufmunternd war, entschlossen wir uns in der Station Pause zu machen.
Die Stationen müssen an dem Tag ein riesen Geschäft gemacht haben, denn wenn man sich dort ausruhen will, muss man bezahlen! Für 3 Stunden 3000 Yen pro Person, also ungefähr 24€, nur um unterzukommen!
Das war uns in dem Moment aber völlig egal, denn wir waren am Ende und dort gab es einen großen Raum mit "Betten", in denen wir uns aufgewärmt und geschlafen haben.
Zitternd zogen wir uns bis auf die Unterwäsche aus, hingen unsere nassen Sachen über den Betten auf und schliefen teilweise ein (ich konnte natürlich mal wieder nicht einschlafen). Unsere Wäsche war so nass, dass sie die Betten total vollgetropft haben, das war uns in dem Moment aber echt egal.
Während wir also ausruhten (aus 3 Stunden wurden ungefähr 5 Stunden, aber niemand warf uns raus, weil denen die Situation der Bergsteiger wohl auch bewusst war), beziehungsweise alle außer mir schliefen, lag ich nur da und habe gelauscht, wie der Wind um die Station pfefferte. Außerdem konnte ich so ein bisschen mitverfolgen, wie es den anderen Bergsteigern so erging: Einer war verzweifelt, weil sein Freund auf dem Weg verlorenging und er wusste nicht was er tun sollte (Telefon/Handy geht nicht, und einen anderen Weg runterzukommen als zu Fuß gibts nicht), andere gaben auf und erkundigten sich nach dem einfachsten Rückweg.
Auch ich lag da und habe überlegt, was das Beste wäre: Weiter oder zurück?!
Das Wetter wurde schlechter nicht besser und der Weg wurde steiler, man musste also weiterklettern, ganz schön gefährlich. Es war also vernünftiger zurückzugehen.
Andererseits: Jetzt ist man schon so weit (3100 Höhenmeter) und aufgeben ist blöd. Außerdem müssten wir an dieser Stelle wohl denselben Weg zurückgehen, den wir gekommen waren und die Felsen bei dem Wind runterzuklettern war wahnsinnig.
Als die anderen wach wurden haben wir uns beraten und uns mehr oder weniger gezwungen gefühlt, weiterzumachen. Also ab in die immer noch nassen Sachen und raus in die Kälte. Ja, das war genauso schrecklich wie es sich liest und hat einiges an Überwindung gekostet. Inzwischen war es auch schon lange hell, ich glaube halb sieben. Sonnenaufgang war also schon ewig vorbei, aber den hätte man sowieso nicht gesehen, von daher war das auch egal.
Hier muss ich zusammenfassen: Es hat keinen Spaß mehr gemacht, es war gefährlich und einfach nur super anstrengend. Dazu kam auch noch, dass wir einfach vollkommen unvorbereitet waren und die falschen Sachen dabeihatten (Jerome hatte nichtmals ne Mütze, Jacke, oder Handschuhe, die er jeweils von Julie, Sven und mir bekommen hat :D). Wir wollten einfach nur oben ankommen und dann den etwas leichteren Rückweg einschlagen.
Also weiter... unterwegs munterten uns diverse Japaner, die schon auf ihrem Rückweg waren auf "Von hier aus ist es nicht mehr weit! Nicht aufgeben!", sowieso hat jeder sich Mut zugesprochen und geholfen.
Irgendwann kamen wir auch tatsächlich zu den ersten torii, die die Zielgerade markierten.
Das war der erste Moment, der die ganze Angst und Anstrengung weggewischt hat und Freude machte sich breit! Wir haben es tatsächlich fast geschafft! Unglaublich!
An dieser Stelle fiel direkt hinter mir der nächste Japaner um, vom Winde verweht sozusagen, aber es ging ihm gut und er brauchte keine Hilfe.
Vom Optimismus und Adrenalin gepackt, waren wir gleich fixer unterwegs und erreichten schon bald die Spitze.
Ich weiß, dass man es mir nicht gerade ansieht, aber ich war unglaublich froh!
Die Angestellten in der obersten Station schienen zu der Zeit auf ihr "Eintrittsgeld" zu verzichten, jedenfalls durfte jeder umsonst rein und sich an den großen Töpfen die erfrorenen Hände aufwärmen. Da hat das Mitleid sie wohl gepackt, denn alle Fujibezwinger sahen wirklich aus, wie verprügelte, begossene Pudel.
Nach ca. einer Stunde, die wir uns dort ausgeruht haben, ging es an den Abstieg.
Verglichen zum Aufstieg war das ein Kinderspiel... leider eins was wiederum 3-4 Stunden dauern sollte.
Hier rutschte man eigentlich nur noch eine Schotterpiste runter. Und hier hab ich mir den Knöchel verstaucht (es zum Glück aber erst gar nicht gemerkt, denn der Schmerz stellte sich erst viel später ein).
| So ging es viele Stunden bergab |
| Schnee haben wir dann auch noch gesehen |
Die Aussicht beim Abstieg war, wie man sieht, um einiges besser als auf der Spitze. Hier entstanden also die schönsten Bilder.
| Den hat der Wind nochmal gut weggefetzt |
| Auf dem Abstieg haben wir einen netten Japaner kennengelernt, der dieses Gruppenfoto schoss |
| Ein bisschen Werbung muss sein |
Auf der letzten Strecke kamen uns tatsächlich noch Raupenfahrzeuge entgegen. Wir vermuten, um den Schotter ein bisschen festzudrücken, damit keine Steinlawinen entstehen, die gefährlich werden könnten. Ironischerweise hat es einem der Fahrer den Sicherheitshelm weggeblasen, der fast einen Bergsteiger am Kopf getroffen hätte. Das wäre böse ausgegangen. Zum Glück hat der Helm verfehlt und ward daraufhin nie mehr gesehen.
Je näher wir Kawaguchiko wieder kamen, desto grüner wurde es. Wir kamen durch ein sehr hübsches Wäldchen in dem es ganz toll nach Nadelholz gerochen hat.
| Ich möchte nie wieder da hoch :D |
| Die Aussicht war genial |
| Man beachte den ersten Punkt unter "To the climbers". Tja, hätten wir das Ding mal auf dem Hinweg beachtet... |
Und dann waren wir endlich da! In einer halben Stunde würde der Bus abfahren. Die Aussicht auf eine 2 1/2 stündige Busfahrt in immer noch nassen Klamotten war nicht gerade erheiternd, aber egal. Wir wollten nur noch nach Hause!
| Was? Ich seh kaputt aus? Niemals... |
| Der kleine Freund ist auf meiner Hand gelandet |
| Noch ein paar Bilder vom torii |
Hier begann in etwa der Aufstieg. Das Wetter war noch okay.
| Unsere Laune war noch gut |
Ab hier wurde es ungemütlich. Sven hat eigentlich nichts mehr gesehen, weil seine Brille permanent nass war.
So und das wars. Als wir wieder Zuhause waren, ging es ganz fix unter die Dusche und seitdem war ich mir meines verstauchten Knöchels so richtig bewusst.
Am Samstag Abend konnte ich gar nicht mehr auftreten, sodass Sven mich zum Bad und zurück tragen musste :D Aber seitdem geht es jeden Tag ein bisschen besser.
Achtung, ekelhaft!!!
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| Ungefähr auf das dreifache angeschwollen, bwah |
Und das hier sind die Übeltäter:
Zugegeben, es war schon ziemlich dumm mit solchen Schuhen und ohne Regensachen den Fuji zu besteigen, trotzdem war es ein einmaliges Erlebnis, das ich nicht missen möchte!

Hallo ihr Süßen, dass war ein echt krasses Erlebnis, um das ich euch beneide, auch wenn ihr auf den Fotos (Sorry) echt Scheiße ausseht.
AntwortenLöschenAusruhen könnt ihr euch wenn ihr wieder hier seit. Bis dahin macht weiter so! Ich bin stolz auf euch!!! Alles liebe Anni