Donnerstag, 20. Februar 2014

Wintereinbruch in Tokyo

Hallo aus der Winterhölle, meine Freunde des Frühlings.

Während bei euch in Deutschland schon die Krokusse blühen und so mancher sich schon im deutschen Sommer wähnt, liegt in Tokyo Schnee und es ist richtig kalt.
Der heftigste Schneefall seit 23 Jahren soll dies laut Nachrichten gewesen sein. Ist doch klar, dass wir uns genau in den zwölf Monaten dazu entschieden haben nach Japan zu gehen, in denen der heißeste Sommer seit hunderten von Jahren und der heftigste Schneefall seit 23 Jahren stattfindet.
Naja, immer noch besser als 2011 denke ich...

In den letzten vier Wochen ist wieder viel gewesen. Fangen wir mit dem Besuch in Asakusa an.
Asakusa und der dortige Sensoji-Tempel sind ein sehr beliebtes Ziel, sowohl für Touristen als auch für Japaner selbst.
Relativ nah an der U-Bahn Haltestelle findet man das Kaminarimon, ein großes Tor sozusagen.


Geht man durch das Tor, kommt man automatisch in die Nakamise Einkaufsstraße. Nakamise bildet sozusagen eine Einkaufspassage, die direkt zum Tempel führt.
 

Hier findet man wirklich alles, was das Touriherz begehrt: Souvenirs ohne Ende. Sachen, die man als "typisch japanisch" bezeichnen würde, zu natürlich recht hohen Preisen und überraschend oft "Made in China" (oder eben nicht überraschend?). Auch sehr viele Läden, die ihre Süßigkeiten verkaufen, vorallem solche wo Anko (rote Bohnenpaste) drin verarbeitet ist. Manche stellten ihre Spezialitäten sogar vor Ort und vor unseren Augen her.
Küchlein gefüllt mit Anko. Frisch aus der... wie auch immer man das Gerät nennen mag
Hier ein kleiner Eindruck, was es so zu kaufen gab:







Japaner haben es einfach drauf, wenn es darum geht, den Charakter einer Katze zu verbildlichen





Ein bisschen außerhalb meines Budgets: ~900€ für die linke Figur



Ist man einige Yen ärmer, kommt man irgendwann beim Sensoji Tempel an. Nun kann man wenn man möchte einen Tempel-Räucherstab kaufen und anzünden, oder sich einfach den Rauch anderer schon im Rauchbecken abgelegter Stäbe zufächern. Laut buddhistischem Glauben soll der Rauch den Körper stärken und/oder heilen. Hat man beispielsweise grad Bauchschmerzen, fächert man sich den Rauch in Richtung Bauch. Männer fächern sich den Rauch auch gerne mal in Richtung Süden, habe ich mir sagen lassen.

Ich finde es immer toll, wenn Japanerinnen Kimono oder Yukata tragen.


Der Skytree war auch ganz in der Nähe


Das Räucherbecken okōro

Wir haben uns nach drei Trillionen Selfies auf jeden Fall gut im Rauch gestärkt



Die Deckenverzierung



Ein Blick nach draußen





Nach diesem Besuch sind wir noch etwas in den Seitenstraßen rund um den Tempel herumgeschlendert und haben neben einem Laden, dessen Mitarbeiter leicht entstellte Bilder seiner Kunden zeichnen noch einen sehr hübschen kleinen Tempelgarten gefunden.
Ganz gut getroffen, oder?







Man kann sich auch per Rikscha durch die Straßen fahren lassen....
...ein Blick in unsere leeren Portemonnaies riet uns aber dazu, den Rückweg zur U-Bahn doch lieber zu Fuß anzutreten.


Tage später stand mal wieder eine Veranstaltung mit unseren Mitbewohnern an. Einige haben sich zum Bowlen verabredet (mir reicht ja einmal im Jahr, also bin ich nicht mitgegangen. Sven hat sich den Spaß aber nicht nehmen lassen) und danach war abgemacht, dass wir uns zum Okonomiyaki tabehoudai ("All you can eat Okonomiyaki") treffen. Der Laden ist von unsrem Guesthouse nur 10 Minuten zu Fuß weg, trotzdem waren wir das erste Mal da. Eine tolle Erfahrung. Das war ebenfalls das erste Mal, dass ich in einem Restaurant in Japan die Schuhe ausziehen musste. Im Anfangsbereich waren kleine Holzschließfächer, in denen man seine Schuhe unterbrachte und dann ging es in Socken zum Tisch. Diese waren tief und man nahm auf einem Sitzpolster auf dem Boden platz. Auch das war mir neu. Das Restaurant an sich schien in einem traditionellem, alten, japanischen Gebäude zu sein (oder zumindest war es auf alt und traditionell getrimmt), ich fand es echt schön.
Nunja, aber zurück zum Thema tabehoudai. Wenn sich in Japan ein Gast für All you can eat entscheidet, müssen dies die anderen Leute der Gruppe auch tun. Sonst könnte der eine, der für All you can eat bezahlt hat ja für alle anderen mitbestellen. Aber da dies eh von vornherein abgemacht war, gab es da keine Probleme. Wir haben also unsere 2000 Yen bezahlt (ungefähr 14€) und konnten ab der ersten Bestellung für 1 1/2 Stunden so viel futtern, wie wir konnten. Getränke waren inklusive und da gab es auch alles, was das Herz begehrt.
Das Ganze lief dann auch sehr heiter ab: An jedem Tisch hatte einer von uns sich einen Timer auf seinem Smartphone gestellt, damit wir die Zeit im Blick haben. In der Mitte jedes Tisches war eine sehr heiße Platte, auf der man sein Okonomiyaki dann selbst zubereitet hat. Um den Tisch herum standen Okonomiyakisauce, Mayonnaise, gehackte und getrocknete Frühlingszwiebeln und Fischflocken. Das ist das Standardtopping für Okonomiyaki, kann also nach Belieben benutzt oder auch weggelassen werden.
Nun lagen auf jedem Tisch auch Menues bereit. Hier konnte man auswählen, welche Zutaten man für sein Okonomiyaki haben wollte. Beispielsweise Oktopus, irgendwelches Fleisch, oder auch nur Gemüse. Grundsätzlich ist in der Bestellung Kohl, ein Ei und geriebene Nagaimo drin, glaube ich, damit das Gematsche nachher auch zusammenhält. Dies wird dann alles in einer Schale samt Holzlöffel gebracht, mit dem man dann alles gut verrührt und letzendlich auf der vorher eingeölten heißen Platte auf dem Tisch ausleert und backt/brät.
Erst wenn man den Inhalt seiner Schale auf der Tischplatte hat, darf man die nächste Bestellung aufgeben.
Ein langsamer Esser kommt so in 1 1/2 Stunden auf etwa 3 Okonomiyaki, ein schneller Esser kann sicherlich mehr schaffen.
Blöd nur, wenn man nach einem Okonomiyaki schon satt ist, das zweite runterwürgt und die dritte Bestellung in ihrer Schale darauf wartet, auch noch zubereitet zu werden. So ging es mir nämlich. Ich war nach der zweiten Portion so satt, mir war echt super schlecht. Unser jüngster Mitbewohner hat sich dann erbarmt und meins auch noch gegessen. (Nachher verschwand er plötzlich ganz schnell auf der Toilette, war wohl doch zu viel :D). Gut ist, dass man nicht in 1 1/2 Stunden wirklich fertig sein muss mit dem Essen, man darf danach eben nur nichts mehr bestellen und kann sein letztes Okonomiyaki in Ruhe zuende futtern.
Alles in allem echt interessant, aber eine Regel dieses Ladens (und wohl auch aller anderen tabehoudais mit Zeitbegrenzung) bringt mich zum nachdenken: Man darf seine schon zubereitete Bestellung nicht mit nach Hause nehmen, wenn man am Ende einfach nicht mehr kann. Die wandert dann in den Müll.
Und da man ja für All you can eat  bezahlt hat, denkt man sich ja auch "Ich esse so viel wie möglich, damit es sich lohnt". Also bestellt man grundsätzlich mehr, als man dachte essen zu können, weil man ja nicht draufzahlt. So wandern dort jeden Tag sicherlich zig Kilos an guten Lebensmitteln in den Müll, das gibts doch nicht...
Hier ein paar Fotos, damit man sich das alles besser vorstellen kann:
Unser Franzose macht sich mal wieder an den armen Takashi ran






Unsere gesamte Gruppe

In dem Zusammenhang mit dem weggeworfenem Essen muss ich sagen, dass ich Japan wirklich generell sehr verschwenderisch und nicht gerade umweltbewusst finde. Man bekommt hier beispielsweise an jeder Ecke für jede Kleinigkeit automatisch eine Plastiktüte in die Hand gedrückt. Man darf diese Tüten aber nicht als Mülltüten verwenden (jedenfalls in unserem Haus nicht), sondern muss spezielle gelbe Plastiktüten kaufen. Man wirft also im Endeffekt, wenn man nicht explizit bei jedem Einkaufen sagt "Das geht so, danke", kostenlose Plastiktüten in extra gekauften gelben Plastiktüten weg. Und da man in Japan wenn man auf sein Geld achtet nicht unbedingt alles in einem Laden kauft wie bei uns, sondern seine Möhren in einem andern Laden kauft, als seine Kartoffeln, endet man nach einem stinknormalen Einkauf gut und gerne mit 5 Plastiktüten mit jeweils nur einem Gegenstand darin.
Mir ist auch aufgefallen, dass hier Tag und Nacht das Licht brennt. Oder der Fernseher in unserem Wohnzimmer. Das kann daran liegen, dass sich speziell in einem Guesthouse niemand dafür verantwortlich fühlt, da man am Ende des Monats keine Stromrechnung bezahlen muss. Aber sagt einem der gesunde Menschenverstand nicht, dass wenn man nachts um zwei Uhr wenn man als letztes ein Zimmer verlässt, Licht und Fernsehen ausmacht? Ich habe auch schon erlebt, dass ein Wasserhahn aufgedreht war. Mitten in der Nacht. Ich finde das ziemlich erschreckend. Aber vielleicht denken sich die Japaner ja, dass sie durch ihren echt hohen prozentualen Einsatz von Hybridfahrzeugen was gut haben und kompensieren das durch Wasser- und Stromverschwendung im Haushalt :D Wer weiß.

Aber zu einem schöneren Thema: Sven und ich haben Sumin zum Wintereinbruch eine neue Freundin gebaut. Nämlich Oppai-Yuki-san, eine vollbrüstige Schneefrau, die direkt in ihr Zimmer geguckt hat. Das Ganze war als Überraschund gedacht, also haben wir nichts gesagt, sondern nur an ihr Fenster geklopft und sind weggegangen. Sumin hat sich tierisch gefreut, als sie dann in der Dämmerung ihr Fenster aufgemacht hat und Oppai-Yuki sie angeglotzt hat. Das hat sie mit einem "DEEEESIII!!!!!11111" im höheren Dezibelbereich deutlich gemacht.
Überraschuuuuung


Und noch ein paar Bilder vom verschneiten Tokyo





Zum Abschluss habe ich noch einmal Brainstorming betrieben, um endlich neue Japan"fakten" posten zu können. Damit also bis zum nächsten Mal:

23. An japanischen Bushaltestellen stellt man sich an. Das heißt: Wer zuerst an der BH ankommt, steigt auch als erstes ein

24. Busfahrer in Japan sagen per Lautsprecher an, wenn sie abbiegen, damit man vorgewarnt ist und sich festhalten kann. (Das finde ich besonders beachtenswert, weil es in Deutschland die Busfahrer nicht einmal juckt, wenn man sich mit Pauken und Trompeten im Bus aufs Maul legt, weil der Heini mal wieder meint wie in Fast & The Furious in die Wuppertaler Kurven driften zu müssen)
Es wird auch angesagt, wenn sie längere Zeit an einer Ampel stehen bleiben müssen, einfach der Information wegen

25. Japanische Fußgängerampeln interessieren die Fußgänger einen Scheiß. Polizisten wenn sie sehen, dass jemand über Rot rennt zu 90% auch

26. In Japan darf man mit dem Fahrrad sowohl auf der Straße, als auch auf dem Bürgersteig fahren. Eigentlich sollen Fahrräder - genau wie die Autos - immer links fahren, aber Japaner fahren kreuz und quer Fahrrad. Ohne Helm. Deshalb gibt es sehr viele Unfälle mit zermatschten Fahrradfahrern

27.In Japan (und scheinbar auch sonstwo in Asien) ist das Handzeichen für "in Anführungsstrichen", also wenn man Zeige- und Mittelfinger einer Hand krümmt und wieder streckt, nicht bekannt.
(Das habe ich leider auf unangenehme Weise erfahren, nachdem ich tausend Witze auf anderer Leute kosten mit diesem Zeichen praktisch "abgeschwächt" habe und ich irgendwann dann mal auf ner Party von den ganzen beleidigten Asiaten gefragt wurde, was dieses blöde Zeichen überhaupt bedeutet...)

28. Die Bedeutung, wenn man mit dem Zeigefinger die Haut unter seinem Auge wiederholt nach unten zieht, ist auch nicht bekannt. (In dieses Fettnäpfchen bin ich auch getreten)

29. Man fängt eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn an, alles für die Arbeit vorzubereiten. Unbezahlt.

30. In Tokyo gibt es keine Schneeräumfahrzeuge.

31. Es ist nicht vorgeschrieben, im Winter Winterreifen benutzen zu müssen, auch nicht bei Schnee. (Allerdings muss man dann im Falle eines Unfalls tief in die Tasche greifen.)

32. Es ist nicht vorgeschrieben, vor seinem eigenen Haus Schnee zu schippen. Wenn jemand auf die Nase fällt und sich was bricht, hat derjenige Pech gehabt






1 Kommentar:

  1. War mal wieder ein toller, informativer Report. Mama sagt Danke

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