Dienstag, 12. November 2013

Ein bisschen so nebenher

Ja, ich glaube es selbst kaum, aber hier ist der nächste Blogeintrag!

Ich möchte diesmal nur ein bisschen Wissenswertes über Japan berichten, über Dinge die hier anders sind als in Deutschland (ich glaube so etwas nennt man "Funny Facts"), außerdem von unserem Besuch beim JLPT Pratice Test und von meinem Job!

Fangen wir mit dem JLPT Practice Test an: Wie manche wissen, gibt es einen weltweit anerkannten Japanischtest, bei dem man sich bei Bestehen seine Sprachkenntnisse zertifizieren lassen kann.
Dieser Test ist in 5 Level aufgeteilt, aus denen man wählen kann. Wobei Level 1 der schwierigste und Level 5 der einfachste ist. Alle laufen in etwa gleich ab, man wird in den Bereichen Vokabeln, Grammatik, Kanji und Hörverstehen geprüft. Der Test ist ein reiner Multiple Choice Test. Man muss also weder selbst Sätze verfassen, Kanji schreiben oder sprechen. Manche denken jetzt vielleicht, dass das ein Pluspunkt ist, aber nein! Genau das macht das Ganze nämlich sehr knifflig!

Wenn man nämlich ganz toll und flüssig sprechen kann, aber nur "Tomodachi Japanisch" spricht (sozusagen Japanisch das man unter Freunden spricht, nicht zu verwechseln mit unserem Slang. Also wirklich alltäglich angewandte Sprache, die sich von der "im Buch" aber unterscheidet) fällt man auch bei Level 5 durch.
Es ist somit also sehr schwer, sein eigenes Level einzuschätzen. Denn auch wenn man viel Grammatik kann, einen großen Wortschatz hat und viele Kanji lesen kann, weiß man noch lange nicht, was genau im JLPT vorkommt. Der Inhalt ist nämlich nicht in Stein gemeißelt und es werden nur vage Angaben rausgegeben, was man lernen sollte. Die Communitiy im Internet ist zum Glück so groß, dass man zumindest eine Idee hat, was man für welches Level lernen sollte.

Sven und ich haben uns sicherheitshalber für Level 4 entschieden, auch wenn wir im Alltag eigentlich sehr gut zurecht kommen. Eine unserer Japanischlehrerinnen hat uns nahegelegt, Level 2 zu machen, das wäre unserer Meinung nach aber ein bisschen überambitioniert, wenn wir bis Dezember auch noch essen, schlafen und nicht nur lernen wollen. Wahrscheinlich bewegen wir uns auf Level 3. Ein Blick in die potenziell drankommende Grammatik, die Vokabeln und die Kanji, daraufhin ein Blick auf den Kalender (der JLPT ist am ersten Dezember) sagte uns aber: Hmh, machen wir mal Level 4.

So, nachdem man sich dazu entschieden hat den JLPT zu machen, der zweimal im Jahr stattfindet (Juli und Dezember), muss man sich innerhalb einer Frist anmelden. Eine Gebühr wird dann auch direkt fällig, wir mussten 5000Yen bezahlen (ungefähr 40€). Das hat alles reibungslos geklappt und seitdem lernen wir fleißig (vorallem Kanji. Von den einst 2000 sind nämlich ungefähr.... 2 1/2 hängengeblieben).

Vor einiger Zeit trudelte dann ein Brief an uns Beide ein, der in etwa lautete:

"Yaaaaaay, du wurdest dazu auserwählt am JLPT Pratice Test teilzunehmen! Nur ein Bruchteil aller Teilnehmer wurde in einer Lotterie gezogen und DU gehörst dazu! Yaaaaay! Bitte gib uns bis x.x eine Rückmeldung, ob du teilnehmen möchtest! Wenn deine Rückmeldung nicht rechtzeitig eingeht, darfst du nicht teilnehmen. Achja, du bekommst übrigens 2000Yen, wenn du an allen Testbereichen teilnimmst und nicht zwischendurch aus diversen Gründen (Versuch des Betrugs, Handy bimmelt, Testblatt zu früh angeguckt...) rausgeworfen wirst."

Da wir Beide eben diese Einladung bekommen haben, war die Chance wohl nicht so gering wie dort geschrieben. Naja, wie auch immer. Wir dachten das ist eine gute Möglichkeit uns zu testen und im Voraus zu sehen, wie das Ganze abläuft, also haben wir uns angemeldet. Der Hintergrund des Ganzen ist glaube ich, dass die Japan Foundation immer gerne einen Testlauf vor dem richtigen Test macht, um die Abläufe zu üben etc. Deshalb bekommt man wohl auch Geld.

Nunja, letzten Sonntag, den 10.11.2013 war der Practice Test in Minato (allein für die Hin- und Rückfahrt haben wir jeweils 1000Yen verbraten). Als wir aus der Station rauskamen und uns orientieren wollten, sahen wir aber auch schon an jeder Ecke Männer in Uniform stehen, die ein Schild mit in etwa der Aufschrift "JLPTler hier entlang." samt Pfeil hielten und uns allen den Weg lotsten. Ich fand das sehr japanisch, wie immer ein 1A Service, gleichzeitig konnte ich mir ein doofes Grinsen nicht verkneifen, weil ich es auch ein wenig lustig fand.

Nun, dann waren wir also da. Der Test fand im Akasaka Twin Tower statt, ein riesiges Gebäude. Wir mussten in die 8.Etage. Selbstverständlich wurde der Aufzug für uns offen gehalten und die Ebene für uns angewählt (*doofgrins*). Nach einem kurzen Check unserer Teilnehmernummer fanden wir uns in einem von vielen Konferenzräumen wieder. Nebeneinander gesessen haben wir zwar nicht, aber was solls. 
Ich bezog meinen Platz weiter vorne und Sven saß relativ weit hinten. Geschätzt die Hälfte aller Angemeldeten kam nicht und so fand ich mich beim Start des Tests alleine an meinem Tisch wieder. Gut, mir auch egal. Kein zwanghafter Smalltalk woher ich komme, seit wann ich in Japan bin und wo ich wohne.

Mit ein paar Minuten Verspätung ging es dann los. Vorne war ein kleines Podest aufgebaut, samt Mikrofon und Lautsprechern, außerdem standen während der gesamten Zeit zwischen 5 und 8 Mitarbeiter bereit, die die Aufsicht übernommen haben, Tests ausgeteilt und eingesammelt haben etc.
Einer dieser Mitarbeiter war allein fürs Erklären zuständig, natürlich auf Japanisch, nicht auf Englisch. Und auch hier musste ich mal wieder feststellen, dass manche Japaner (und das mag andernorts auf der Welt genauso sein), wirklich überhaupt kein Gespür dafür haben, was das ausländisches Gegenüber nun versteht und was nicht. Nun waren wir aber nunmal im Raum für den JLPT Level 4, also hätte er eigentlich ziemlich genau wissen müssen was die Ausländer vor ihm so in etwa verstehen können, sabbelte aber lustigerweise ungehindert schnell nuschelnd los und "erklärte", was Sache ist. Ich sah die Fragezeichen um mich herum nur so aufploppen und war in dem Moment froh, dass Sven und ich ein Level angepeilt hatten, das eher zu niedrig als zu hoch war. Jedenfalls konnte ich den Großteil verstehen, mehr als "Während des Tests darf nicht abgeguckt werden, macht eure Handys aus, wenn ihr aufs Klo müsst meldet euch..." wurde aber auch nicht gesagt und dann ging es endlich an den Test.

Alles in Allem ist es gut gelaufen. Aber auch in Level 4 kamen Vokabeln dran, die ich noch nie gesehen hatte, weder während des Studiums in Deutschland, noch in den online gestellten Vokabellisten für den JLPT 4. 
Nun habe ich gelesen, dass der Practice Test um einiges schwerer sein soll, als der eigentliche Test im Dezember. Ich bin wirklich gespannt. Denn ob man besteht oder nicht ist wirklich davon abhängig was man gelernt hat und nicht wie viel man kann. 

Erwähnenswert ist vielleicht auch noch das wirklich emsig anmutende Regelwerk: Zwischen den Teilbereichen wurden unsere Tests und Antwortzettel in festgelegter Reihenfolge eingesammelt. Jedesmal inklusive Checken des Passes oder der japanischen ID und der Mitgliedernummer. Jeder Mitarbeiter hatte einen Zettel wo ein Foto, der Name und die Mitgliedernummer der Teilnehmer abgebildet waren. So will man wohl sichergehen, dass kein Test den Weg nach draußen findet und veröffentlicht wird. Das hat einen der Mitarbeiter aber auch nicht abgehalten, sich zu verzählen und uns 15 Minuten doof rumsitzen zu lassen, eh die Sache nicht geklärt war. Ich hatte eigentlich fest damit gerechnet, dass sie gleich eine Taschenkontrolle ankündigen, um den Missetäter ausfindig zu machen... ach ne, doch nur verzählt, ist alles gut.

Am Ende bekamen wir dann unsere 2000 Yen und durften gehen. Es hat sich definitiv gelohnt um mit dem Ablauf vertraut zu werden. So haben wir schonmal eine Sorge weniger wenn der richtige Test im Dezember ansteht.

Soviel zum JLPT und weiter zu einem heiterem Thema: Ich habe einen Job als Englisch-Assistenzlehrer an einer japanischen Highschool! Dank Vitamin-B (einer Mitbewohnerin die dort Englisch lehrt) bin ich an diesen tollen Job gelangt und wirklich total glücklich damit!

Erst einmal sind japanische Schulen einfach toll. Diese hier ist für rund 900 Schüler und riiiiiiieeeeesig groß. Im Vergleich zu meinem Wuppertaler Gymnasium, das für ca. 1000 Schüler ausgelegt ist, arbeite ich derzeit in einem Schul-Schlachtschiff erster Klasse. Neben Unmengen an Klassenzimmern gibt es echt viel Grün auf dem Gelände (sogar Palmen :D) und mehrere Sportplätze für Tennis, Baseball, Basketball etc.

Wenn man die Schule betreten möchte, zieht man sich erst einmal die Straßenschuhe aus und seine Hausschuhe an. Die Lehrer haben ihre eigenen mit Namen beschrifteten Schuhschränke und ich nun auch.

Dann führt mich der erste Weg ins Hauptlehrerzimmer. Dort steht mein erster Schreibtisch. Die erste Stunde an dieser Schule (oder in Japan generell, das weiß ich nicht) beginnt um 8:50 Uhr. Um 8:30 Uhr ist jeden Morgen eine Lehrerversammlung, wo Informationen ausgetauscht werden etc. Ich habe mich dort an meinem ersten Tag vorgestellt und wurde sehr nett aufgenommen.
Ich habe mich ein bisschen wie in der Höhle des Löwen gefühlt... um mich herum so viele Lehrer, das einstige Feindbild, aber alle so nett, jetzt da ich "eine von ihnen" bin. Ich habe etwas Zeit damit verbracht zu mutmaßen, was für Unterricht die einzelnen Lehrer wohl geben... sehr lustig.

Naja, danach geht es falls irgendwelche besonderen Unterlagen von Nöten sind zum Englischlehrerzimmer, wo mein zweiter Schreibtisch steht (nicht in Benutzung, ich hab keine Ahnung was ich damit soll) und dann ins Klassenzimmer. 
Während die Flure der Schule mit Linoleum ausgelegt sind, liegt in den Klassenzimmern Teppich. Bevor man die Klassenzimmer betritt, ziehen Lehrer als auch Schüler ihre Hausschuhe aus und betreten es mit Socken (oder man bringt noch extra "Klassenzimmerhausschuhe" mit, wenn man will).
Ist das nicht abgefahren? Ich finde es toll. 

Auch sieht man keine Spur von Vandalismus auf den Toiletten, oder an den Wänden. Alles ist sauber, wenn auch schon in die Jahre gekommen.

Die Schüler müssen aufstehen und uns Lehrer begrüßen, wenn der Unterricht beginnt (mal mit mehr, mal mit weniger Elan) und müssen eigentlich auch respektvoll mit eben diesen umgehen. Zum großen Teil passiert das auch und wenn ein Lehrer ein Kommando gibt, wird das auch sofort ausgeführt. Auf der anderen Seite scheint es aber okay zu sein, gelangweilt wegzugucken und nur "Jaja.." (sprich: Leck mich am Arsch) zu sagen, wenn man eine Standpauke bekommt, als auch seine ausländische Lehrerin als süß zu bezeichnen und sie zu fragen, ob sie einen Freund hat. Das war schon sehr komisch. Die Beziehung zu den Schülern scheint eine zwischen elterlicher Autoritätsperson und gutem Freund zu sein.

Meine Schüler (ich habe 1st, 2nd und 3rd year students, was auch immer genau das heißt) machen derzeit alle mehr oder weniger das gleiche: Sie müssen sich zu Zweit einen Dialog nach einem bestimmten Thema selbst ausdenken, wie zum Beispiel eine Wegbeschreibung, diesen dann auswendig lernen und vor der ganzen Klasse samt Gesten und richtiger Intonation vortragen. Das wird gefilmt und dafür gib es Noten.

Nun hat Englisch in Japan einen anderen Stellenwert als beispielsweise in Deutschland. Es ist wirklich nicht miteinander zu vergleichen. Die richtige Aussprache als auch die Grammatik fällt den meisten wirklich sehr schwer, Vokabeln hingegen können sie recht viele. Aber vergleicht man das Englisch eines beliebigen 19 jährigen deutschen Schülers und dann das eines 19 jährigen Schülers hier in Japan, sind die Unterschiede wirklich gewaltig. Aber gut, das ist hier so, das hat nichts mit faul/dumm sein zu tun, Englisch ist einfach eine grundlegend andere Sprache als Japanisch und der Stellenwert ist hier bislang nicht allzuhoch.
(Daher würde ich auch jedem der eine Rundreise in Japan machen will raten, entweder einen VHS Kurs in japanisch zu belegen, nur mit Reisebegleiter zu fahren, oder jemanden dabei zu haben der Japanisch kann. Mit Englisch erreicht man hier nichts, auch nicht in Tokyo!)

Meine Aufgabe ist jedenfalls den Schülern zu helfen, wenn sie bei ihrem Dialog nicht weiterkommen, falsche Grammatik benutzen, eine Vokabel nicht einfällt, als auch die Aussprache zu lernen. Außerdem auch, ein bisschen Mut zu machen, denn etwas vor der Klasse vorzutragen ist in Japan überhaupt nicht so selbstverständlich wie in Deutschland. Eine Englischlehrerin mit der ich zusammen arbeite sagte mir, dass die Hauptaufgabe eines japanischen Schülers darin besteht gut zuzuhören, sich viele Notizen zu machen und ruhig zu sein. Jetzt ist dieser Englischunterricht genau das Gegenteil, also ist eine nicht unerhebliche Aufgabe von mir, auch etwas Mut zu machen und die Schüler dazu zu bringen, etwas aus sich rauszukommen und auch Körpersprache bei ihren Dialogen einzusetzen.

Der Job passt bisher einfach perfekt zu mir. Das ist genau die Art Unterricht die ich auch selbst immer mit meinen Nachhilfeschülern gemacht habe: Selbst etwas machen, keine Angst vor Fehlern zu haben und kreativ zu sein. So lernt man meiner Meinung nach am besten.

Zu guter Letzt möchte ich jetzt damit anfangen,ein paar Funny Facts zusammenzutragen und dann nach und nach, so wie sie mir auffallen, im Blog zu veröffentlichen.

Ich möchte aber eins vorweg nehmen: Die "Facts" müssen nicht unbedingt wirkliche Fakten sein. Ich habe nicht recherchiert, sondern schreibe einfach, was mir in meinen 5 Monaten hier so aufgefallen ist. Nun lebe ich in Tokyo und Tokyo ist nicht gleich Japan, also kann so mancher Funny Fact in Kyoto oder Osaka wieder ganz anders sein. Das bitte im Hinterkopf behalten und nun geht es los:

1. In Restaurants sind Wasser und/oder Tee umsonst

2. Man zahlt kein Trinkgeld

3. Socken in Highheels sind kein Modefauxpas (ich heiße alle deutschen Männer in Sandalen und Socken willkommen)

4. Schüler müssen eine Uniform tragen. Die Jungen einen Anzug, die Mädchen Hemd und Rock.

5. Die Röcke der Schülerinnen gehen normalerweise bis zu den Knien. Die meisten rollen ihre Schulröcke nur einfach sehr hoch.

6. Schülern ist nicht erlaubt sich die Haare zu färben, sich zu schminken oder sich die Ohren zu piercen (oder sonst einen Körperteil)
 
7. In Japan geht man bei Krankheit eher ins Krankenhaus, als zum Arzt. Auch bei Schnupfen

8. Züge halten bei Erdbeben die die Sicherheit beeinträchtigen könnten dank eingebauter Sensoren automatisch an

9. Japaner feiern kein Weihnachten, Straßen und Läden sind aber geschmückt und es werden Weihnachtsartikel verkauft

10. Auf der Straße und auch in Läden/Gebäuden gibt es keine Mülleimer (anscheinend aus Angst vor Giftgasanschlägen). Ausgenommen sind die Mülleimer neben Getränkeautomaten, die aber nur für eben diese Getränkedosen sind

11. Es ist trotzdem sauber

12.In Japan findet man kein dunkles Brot. Nur selten in Bäckereien
... und Bäckereien sind selten



Und das war es erst einmal wieder!

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