Montag, 17. Juni 2013

So, ich habe nun mal etwas Zeit und nicht so ganz arg dolle Kopfweh, sodass ich endlich über die letzten Tage berichten kann.

Dann mal los:


Nach etwa 20 Stunden auf den Beinen und einem am Ende sehr anstrengenden Flug (ich glaub vor mir hat permanent einer gefurzt, jedenfalls roch es so), während dem ich "Die fantastische Welt von Oz" und "Kokowääh 2" (total bescheuerter Film) geguckt habe, sind wir endlich da. Also steigen wir - schon total knülle - aus dem Flieger aus und wundern uns, dass es im Tokyoter Airport so stickig ist... naja gleich sind wir ja an der frischen Luft, da wird es wohl kühler sein....
So empfängt uns Japan, sehr schön
Ich sags ja - vollkommen knülle



Das Vorhaben Kanji zu wiederholen, ist fest geplant :D

Endlich mit unseren 4 Koffern plus Handgepäck bewaffnet, ging es durch die letzte Schranke und da stand schon unser Kumpel Sebastian und hat auf uns gewartet. Wir schnappen uns noch schnell ein paar Karten von Tokyo, die es dort an nem Schalter gab und gehen endlich in die lang ersehnte frische Luft nach draußen, wo wir bemerken.... dass es draußen noch zehnmal schwüler ist als drin T_T 
Hier ist echt ein unglaubliches Wetter. Es ist bewölkt und regnet teils die ganze Nacht, aber so warm und schwül, dass man es kaum aushält. Jetzt grade (~23 Uhr) sinds 22 Grad und 88% Luftfeuchtigkeit, also irgendwie gefühlte 40 Grad :D
In dem Zusammenhang möchte ich auch gleich etwas vorwegnehmen, denn ich habe jemanden kennengelernt, den ich hier nicht mehr missen möchte. Wir haben uns in der kurzen Zeit schon sehr, sehr gut angefreundet und ohne sie möchte ich nicht mehr sein:

Darf ich vorstellen: Unsere geliebte Klimaanlage. Ohne kann man hier einfach nicht leben. Als ich einen Mitbewohner gefragt habe, ob das Wetter denn bald besser wird oder schlechter, bekam ich nur ein mitleidiges "You will die!" zu hören. Na klasse...

Das also zum Wetter hier. 

Als wir dann also den Flughafen verlassen haben, ging das japanische Öffentlicheverkehrsmittel-Wirrwarr auch schon los. 
Sieht irgendwie alles aus wie in Wuppertal

Das hier wäre dann Barmen :D

Das auch






Ich weiß nicht mit wie vielen Zügen und Bahnen wir gefahren sind (okay, ich war auch echt fertig und hab nicht mehr alles mitbekommen), aber in dem Zusammenhang  haben wir uns gleich die sehr praktische PASMO Card geholt. Das ist sowas wie eine Checkkarte, wo man Geld draufläd und womit man dann die Busse und Züge benutzen kann, indem man die einmal beim Betreten gegen so ein Ding was dann piepst hält und beim Austieg auch noch einmal. So wird praktisch registriert wie viele Stationen man gefahren ist und dementsprechend wird von der Karte abgebucht. Wir zahlen von der nächstgelegenden Station Tanashi bis nach Hibarigaoka (da ist n bisschen mehr an Restaurants und ein 7 Eleven) 190 Yen, circa 1,50€, in etwa wie in Deutschland. Blöd nur, dass man in Deutschland, wenn man auf Bus und Bahn angewiesen ist, einfach eine Monatskarte kaufen kann, womit man dann überall hinkommt und hier gibts sowas nicht wirklich. Man zahlt also jedesmal für jede Strecke.
Nunja, irgendwann sind wir in dann an der Tanashi-Station angekommen und haben auf den House Manager gewartet, der uns um 12 Uhr abholen sollte. Das tat er auch. Lustiges Kerlchen, fein angezogen (ein bisschen tat er mir leid, in seinem langen weißen Hemd, bei der Hitze) und sehr nett. Wir haben unsere ganzen Koffer dann in das Oakhouse-Auto gestopft und sind zusammen zum Guest House gefahren. Um 12:30 Uhr etwa waren wir da, haben eine kleine Haustour gemacht und alles vertragliche geregelt.
Außer uns leben noch etwa 50 andere Leute hier. Die meisten Japaner, ein paar Koreaner, ein Belgier, zwei Schweden, eine Französin... jedenfalls sind das alle, die wir bisher zu Gesicht bekommen haben. Die meisten arbeiten oder studieren und sind deshalb den ganzen Tag weg und schlafen hier nur. Man bekommt wirklich nicht mit, dass hier 50 Leute wohnen sollen.

Dann ging das Elend los... Sven und Sebastian hingen mir die ganze Zeit in den Ohren "Du darfst nicht einschlafen, du musst jetzt bis heute Abend durchhalten, sonst bekommst du nen heftigen Jet Lag!"... aber ich musste mich einfach hinlegen, selbstverständlich bin ich nicht eingeschlafen. Jedenfalls habe ich irgendwie noch jede Frage die mir gestellt wurde mit geschlossenen Augen beantwortet, also zählt das nicht als schlafen.
Nachdem wir uns n bisschen ausgeruht und geduscht hatten ging es auch gleich weiter. Wir wollten mit Sebastian und seiner Frau, Yumi, in Hibarigaoka Essen gehen. Das erste Mal allein auf japanischen Straßen, bahnten wir uns zu Fuß unseren Weg zurück zur Tanashi Station, um dort in den Bus nach Hibarigaoka einzusteigen. Das hat auch gut geklappt, am Ende sind wir nur eine Station zu früh ausgestiegen und mussten wieder laufen, aber jeder Schritt macht schlank und so...
Da waren plötzlich irgendwie ganz viele Luftballons

Vorm 7-Eleven wurden wir auch schon erwartet und gingen zusammen in das Watami, scheint eine Restaurantkette zu sein, die es auch außerhalb von Japan gibt. 
Da war gut was los, ziemlich laut, die Leute haben nicht still gegessen wie es bei uns in Restaurants üblich ist, sondern richtig gefeiert. Auch ne neue Erfahrung.
Wir wurden in ein Nichtraucherabteil gelotst wo außer uns noch keiner war. Tischmiete mussten wir nicht bezahlen, weil wir so eindeutig nach Ausländern aussahen, dass das wohl nicht zum guten Ton gehört hätte, oder wie auch immer :) Normal ist hier wohl auch, dass vor dem Essen kleine feuchte Handtücher gereicht werden, damit man sich die Hände reinigen kann. Gute Sache, wenn man vorher durch gefühlt halb Tokyo gelatscht ist.
Dann ging es ans Bestellen... ganz schön kompliziert, weil es extrem viel Auswahl gab, sowohl an Essen als auch an Getränken, aber zum Glück waren zu jedem Essen und Getränk Fotos abgebildet, sodass man wusste, was man da bestellt.
Letzendlich war es wegen mir zum größten Teil vegetarisch: vegetarisches Okonomiyaki, Ramen-Salat, eingelegte Aubergine, am Tisch flambierte Makrele, Gyoza, Tofu mit Kimchi, dazu viel Bier und ich hab noch so ein Getränk mit Zitronensaft bestellt, was echt lecker war.

Da sieht man die kleinen Handtücher
Tofu mit Kimchi

Aubergine - das grüne Zeug daneben ist sozusagen Wasabi in zehnmal schärfer

Okonomiyaki

Gyoza

Es hat geschmeckt wie man sieht :D



Was ansonsten noch... irgendwie merkwürdig war ist, dass eine Bedienung sich wenn wir bestellt haben, immer vor uns hingekniet hat. Gepaart mit dieser eh schon für uns plumpe Deutsche demütigen Haltung, hat man sie auch noch per Knopf am Tisch rufen müssen. Man drückt also diesen Knopf, der wirklich so aussieht wie so Bimmeln an einer Hotelrezeption und innerhalb von fünf Sekunden kommt sie angerannt. Am liebsten hätte ich ihr hochgeholfen, weil das so absolut komisch für mich war, aber gut, daran muss man sich halt gewöhnen.

Zu diesem tollen Essen wurden wir als Willkommensgeschenk von Yumi und Sebastian eingeladen (danke nochmal :) )

Danach - es war schon dunkel und Gott sei Dank schön abgekühlt - sind wir mit dem Bus wieder nach Tanashi und von da aus haben wir uns auf den Weg nach Hoyacho gemacht, wo unser Guest House ist.
Die Gelegenheit sich zu verlaufen wollten wir gleich mal am Schopf packen und sind falsch abgebogen. Haben es aber nicht gemerkt. Irgendwann dann doch, als wir direkt vor einer unglaublich riesigen Halle standen, in der man Golf spielen konnte. Wie wahrscheinlich ist es, am Rande von Tokyo wo sonst nur Wohnviertel, Supermärkte und n paar Imbisse sind eine riesengroße Golfhalle zu finden? Tja... :D
Ganz dezent hat sie sich vor uns aufgetan


Die Halle ist umgeben von stinknormalen Wohnhäusern

Selbstverständlich sammel ein Roboter die Golfbälle wieder ein, typisch japanisch kann man wohl sagen


 In der gleichen Umgebung standen wir dann auch plötzlich vor so einem kleinen Schrein 
Sich zu verlaufen hat sich in diesem Fall also ausnahmsweise gelohnt. Danach haben wir aber wirklich nach Hause gefunden und den Eingang geknipst.
Dieses Häschen begrüßt uns jeden Tag

Unser Briefkasten - Nein, die Hello Kitty klebte schon vorher da! :D

Die anderen Postkästen nebst nem Getränkeautomaten

Sven post vor unserem Eingang

Ich selbstverständlich auch

Endlich angekommen ziehen wir unsere Straßenschuhe aus und die Hausschuhe an, wie es sich gehört und gehen auf unser Zimmer im zweiten Stock.
Der Flur zu unserm Zimmer

Unsere Tür. Drüber sieht man den Stromkasten. Wir dürfen 100kw/h pro Monat verballern, danach müssen wir draufzahlen

Wenn der fette Sven sich hier hinsetzt, ist eigentlich kein Platz mehr da

Bett Nummer eins

Bett Nummer zwei


Unser Kühlschrank yaaaaaaaay



Unsere beste Freundin und die Computerecke
Unsere "Schränke"
Das war unser erster richtiger Einkauf. Die Bento sind schon aufgefuttert :D
Die sehr saubere Raucherecke


...und Sven der in ihr gesündigt hat






Ich muss als nächstes unbedingt die Toiletten fotografieren, die sind echt der Wahnsinn. Erstmal sind alle Klodeckel beheizt, was bei dem Wetter jetzt nicht unbedingt soooo toll ist und zweitens haben manche ungefähr drölftrillionen Knöpfchen, auf die man total gerne mal drücken würde, aber irgendwie Angst hat, nen Schwall Desinfektionsmittel ins Gesicht gespritzt zu bekommen. Ich war bisher immer nur froh, dass der Abzug leicht zu finden ist, damit gebe ich mich vorerst zufrieden, bis ich etwas mutiger geworden bin.

Das war es vorerst von mir. Morgen wollen/müssen wir hier ins Rathaus, um unseren derzeitigen Wohnort in unsere Gaijincard (sowas wie unser japanischer Personalausweis) eintragen zu lassen, weil wir in 2 Wochen sonst verhaftet und heftig zur Kasse gebeten werden könnten :D
Lustigerweise hat ein anderer Mitbewohner hier, der noch nicht so gut Japanisch spricht die japanische Rente beantragt als er da war. Der bezahlt jetzt für ein Jahr monatlich 10.000 Yen (ca 80€), nur weil er an der falschen Stelle "Ja" geantwortet hat. Deshalb werde ich ab sofort auch nicht mehr vergessen was "Nenkin" bedeutet, denn wenn ich dieses Wort im Rathaus höre, werde ich "NOOOOOOOOOOOO!" brüllen :D

6 Kommentare:

  1. Oh wow Desi, das klingt alles unheimlich spannend und ich weiß jetzt schon, dass ich regelmäßiger Leser dieses Blogs werde. Eine so andere Welt von der man da hört, unheimlich spannend!
    Ich hoffe, ihr genießt die Zeit und erlebt weiter so spannende Sachen! Und: gewöhnt euch an das komische Wetter :)
    Ganz liebe Grüße aus Heidelberg,
    Anne

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  2. Wahnsinn! erstmal bin ich froh Das ihr alles gut überstanden habt. Was ich da so lese und die Fotos sieht immoment nach absoluten Abenteuer aus. Bin gespannt was ich alles noch so lesen werde. Drücke euch für alles die Daumen. Ach ja, svennilein, Du hast die Haare ab. ... sehr schick :). In diesem Sinne eine gute Nacht und viele grüße aus Wuppertal. .. Nicole

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  3. klingt ja schonmal super!
    das wetter würde mich auch fertig machen.
    amüsiert euch gut ;)

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  4. Ein aufregender erster Tag und ein interessanter, amüsanter Blog .
    So toll erzählt, ich glaube fast ich bin bei Euch in Tokio ... super :-)

    liebe herzliche Grüsse
    Michiiiii (Tio)

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  5. Auch wir lesen deinen Blog :-)

    Grüße Achim & Claudi

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  6. Ahahahaha, ich kann mir so gut vorstellen, wie du durch das ganze Rathaus NOOOOO schreist :D.

    Endlich komme ich dazu euren Blog zu lesen!

    Fühlt euch gedrückt!

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