Dienstag, 12. November 2013

Ein bisschen so nebenher

Ja, ich glaube es selbst kaum, aber hier ist der nächste Blogeintrag!

Ich möchte diesmal nur ein bisschen Wissenswertes über Japan berichten, über Dinge die hier anders sind als in Deutschland (ich glaube so etwas nennt man "Funny Facts"), außerdem von unserem Besuch beim JLPT Pratice Test und von meinem Job!

Fangen wir mit dem JLPT Practice Test an: Wie manche wissen, gibt es einen weltweit anerkannten Japanischtest, bei dem man sich bei Bestehen seine Sprachkenntnisse zertifizieren lassen kann.
Dieser Test ist in 5 Level aufgeteilt, aus denen man wählen kann. Wobei Level 1 der schwierigste und Level 5 der einfachste ist. Alle laufen in etwa gleich ab, man wird in den Bereichen Vokabeln, Grammatik, Kanji und Hörverstehen geprüft. Der Test ist ein reiner Multiple Choice Test. Man muss also weder selbst Sätze verfassen, Kanji schreiben oder sprechen. Manche denken jetzt vielleicht, dass das ein Pluspunkt ist, aber nein! Genau das macht das Ganze nämlich sehr knifflig!

Wenn man nämlich ganz toll und flüssig sprechen kann, aber nur "Tomodachi Japanisch" spricht (sozusagen Japanisch das man unter Freunden spricht, nicht zu verwechseln mit unserem Slang. Also wirklich alltäglich angewandte Sprache, die sich von der "im Buch" aber unterscheidet) fällt man auch bei Level 5 durch.
Es ist somit also sehr schwer, sein eigenes Level einzuschätzen. Denn auch wenn man viel Grammatik kann, einen großen Wortschatz hat und viele Kanji lesen kann, weiß man noch lange nicht, was genau im JLPT vorkommt. Der Inhalt ist nämlich nicht in Stein gemeißelt und es werden nur vage Angaben rausgegeben, was man lernen sollte. Die Communitiy im Internet ist zum Glück so groß, dass man zumindest eine Idee hat, was man für welches Level lernen sollte.

Sven und ich haben uns sicherheitshalber für Level 4 entschieden, auch wenn wir im Alltag eigentlich sehr gut zurecht kommen. Eine unserer Japanischlehrerinnen hat uns nahegelegt, Level 2 zu machen, das wäre unserer Meinung nach aber ein bisschen überambitioniert, wenn wir bis Dezember auch noch essen, schlafen und nicht nur lernen wollen. Wahrscheinlich bewegen wir uns auf Level 3. Ein Blick in die potenziell drankommende Grammatik, die Vokabeln und die Kanji, daraufhin ein Blick auf den Kalender (der JLPT ist am ersten Dezember) sagte uns aber: Hmh, machen wir mal Level 4.

So, nachdem man sich dazu entschieden hat den JLPT zu machen, der zweimal im Jahr stattfindet (Juli und Dezember), muss man sich innerhalb einer Frist anmelden. Eine Gebühr wird dann auch direkt fällig, wir mussten 5000Yen bezahlen (ungefähr 40€). Das hat alles reibungslos geklappt und seitdem lernen wir fleißig (vorallem Kanji. Von den einst 2000 sind nämlich ungefähr.... 2 1/2 hängengeblieben).

Vor einiger Zeit trudelte dann ein Brief an uns Beide ein, der in etwa lautete:

"Yaaaaaay, du wurdest dazu auserwählt am JLPT Pratice Test teilzunehmen! Nur ein Bruchteil aller Teilnehmer wurde in einer Lotterie gezogen und DU gehörst dazu! Yaaaaay! Bitte gib uns bis x.x eine Rückmeldung, ob du teilnehmen möchtest! Wenn deine Rückmeldung nicht rechtzeitig eingeht, darfst du nicht teilnehmen. Achja, du bekommst übrigens 2000Yen, wenn du an allen Testbereichen teilnimmst und nicht zwischendurch aus diversen Gründen (Versuch des Betrugs, Handy bimmelt, Testblatt zu früh angeguckt...) rausgeworfen wirst."

Da wir Beide eben diese Einladung bekommen haben, war die Chance wohl nicht so gering wie dort geschrieben. Naja, wie auch immer. Wir dachten das ist eine gute Möglichkeit uns zu testen und im Voraus zu sehen, wie das Ganze abläuft, also haben wir uns angemeldet. Der Hintergrund des Ganzen ist glaube ich, dass die Japan Foundation immer gerne einen Testlauf vor dem richtigen Test macht, um die Abläufe zu üben etc. Deshalb bekommt man wohl auch Geld.

Nunja, letzten Sonntag, den 10.11.2013 war der Practice Test in Minato (allein für die Hin- und Rückfahrt haben wir jeweils 1000Yen verbraten). Als wir aus der Station rauskamen und uns orientieren wollten, sahen wir aber auch schon an jeder Ecke Männer in Uniform stehen, die ein Schild mit in etwa der Aufschrift "JLPTler hier entlang." samt Pfeil hielten und uns allen den Weg lotsten. Ich fand das sehr japanisch, wie immer ein 1A Service, gleichzeitig konnte ich mir ein doofes Grinsen nicht verkneifen, weil ich es auch ein wenig lustig fand.

Nun, dann waren wir also da. Der Test fand im Akasaka Twin Tower statt, ein riesiges Gebäude. Wir mussten in die 8.Etage. Selbstverständlich wurde der Aufzug für uns offen gehalten und die Ebene für uns angewählt (*doofgrins*). Nach einem kurzen Check unserer Teilnehmernummer fanden wir uns in einem von vielen Konferenzräumen wieder. Nebeneinander gesessen haben wir zwar nicht, aber was solls. 
Ich bezog meinen Platz weiter vorne und Sven saß relativ weit hinten. Geschätzt die Hälfte aller Angemeldeten kam nicht und so fand ich mich beim Start des Tests alleine an meinem Tisch wieder. Gut, mir auch egal. Kein zwanghafter Smalltalk woher ich komme, seit wann ich in Japan bin und wo ich wohne.

Mit ein paar Minuten Verspätung ging es dann los. Vorne war ein kleines Podest aufgebaut, samt Mikrofon und Lautsprechern, außerdem standen während der gesamten Zeit zwischen 5 und 8 Mitarbeiter bereit, die die Aufsicht übernommen haben, Tests ausgeteilt und eingesammelt haben etc.
Einer dieser Mitarbeiter war allein fürs Erklären zuständig, natürlich auf Japanisch, nicht auf Englisch. Und auch hier musste ich mal wieder feststellen, dass manche Japaner (und das mag andernorts auf der Welt genauso sein), wirklich überhaupt kein Gespür dafür haben, was das ausländisches Gegenüber nun versteht und was nicht. Nun waren wir aber nunmal im Raum für den JLPT Level 4, also hätte er eigentlich ziemlich genau wissen müssen was die Ausländer vor ihm so in etwa verstehen können, sabbelte aber lustigerweise ungehindert schnell nuschelnd los und "erklärte", was Sache ist. Ich sah die Fragezeichen um mich herum nur so aufploppen und war in dem Moment froh, dass Sven und ich ein Level angepeilt hatten, das eher zu niedrig als zu hoch war. Jedenfalls konnte ich den Großteil verstehen, mehr als "Während des Tests darf nicht abgeguckt werden, macht eure Handys aus, wenn ihr aufs Klo müsst meldet euch..." wurde aber auch nicht gesagt und dann ging es endlich an den Test.

Alles in Allem ist es gut gelaufen. Aber auch in Level 4 kamen Vokabeln dran, die ich noch nie gesehen hatte, weder während des Studiums in Deutschland, noch in den online gestellten Vokabellisten für den JLPT 4. 
Nun habe ich gelesen, dass der Practice Test um einiges schwerer sein soll, als der eigentliche Test im Dezember. Ich bin wirklich gespannt. Denn ob man besteht oder nicht ist wirklich davon abhängig was man gelernt hat und nicht wie viel man kann. 

Erwähnenswert ist vielleicht auch noch das wirklich emsig anmutende Regelwerk: Zwischen den Teilbereichen wurden unsere Tests und Antwortzettel in festgelegter Reihenfolge eingesammelt. Jedesmal inklusive Checken des Passes oder der japanischen ID und der Mitgliedernummer. Jeder Mitarbeiter hatte einen Zettel wo ein Foto, der Name und die Mitgliedernummer der Teilnehmer abgebildet waren. So will man wohl sichergehen, dass kein Test den Weg nach draußen findet und veröffentlicht wird. Das hat einen der Mitarbeiter aber auch nicht abgehalten, sich zu verzählen und uns 15 Minuten doof rumsitzen zu lassen, eh die Sache nicht geklärt war. Ich hatte eigentlich fest damit gerechnet, dass sie gleich eine Taschenkontrolle ankündigen, um den Missetäter ausfindig zu machen... ach ne, doch nur verzählt, ist alles gut.

Am Ende bekamen wir dann unsere 2000 Yen und durften gehen. Es hat sich definitiv gelohnt um mit dem Ablauf vertraut zu werden. So haben wir schonmal eine Sorge weniger wenn der richtige Test im Dezember ansteht.

Soviel zum JLPT und weiter zu einem heiterem Thema: Ich habe einen Job als Englisch-Assistenzlehrer an einer japanischen Highschool! Dank Vitamin-B (einer Mitbewohnerin die dort Englisch lehrt) bin ich an diesen tollen Job gelangt und wirklich total glücklich damit!

Erst einmal sind japanische Schulen einfach toll. Diese hier ist für rund 900 Schüler und riiiiiiieeeeesig groß. Im Vergleich zu meinem Wuppertaler Gymnasium, das für ca. 1000 Schüler ausgelegt ist, arbeite ich derzeit in einem Schul-Schlachtschiff erster Klasse. Neben Unmengen an Klassenzimmern gibt es echt viel Grün auf dem Gelände (sogar Palmen :D) und mehrere Sportplätze für Tennis, Baseball, Basketball etc.

Wenn man die Schule betreten möchte, zieht man sich erst einmal die Straßenschuhe aus und seine Hausschuhe an. Die Lehrer haben ihre eigenen mit Namen beschrifteten Schuhschränke und ich nun auch.

Dann führt mich der erste Weg ins Hauptlehrerzimmer. Dort steht mein erster Schreibtisch. Die erste Stunde an dieser Schule (oder in Japan generell, das weiß ich nicht) beginnt um 8:50 Uhr. Um 8:30 Uhr ist jeden Morgen eine Lehrerversammlung, wo Informationen ausgetauscht werden etc. Ich habe mich dort an meinem ersten Tag vorgestellt und wurde sehr nett aufgenommen.
Ich habe mich ein bisschen wie in der Höhle des Löwen gefühlt... um mich herum so viele Lehrer, das einstige Feindbild, aber alle so nett, jetzt da ich "eine von ihnen" bin. Ich habe etwas Zeit damit verbracht zu mutmaßen, was für Unterricht die einzelnen Lehrer wohl geben... sehr lustig.

Naja, danach geht es falls irgendwelche besonderen Unterlagen von Nöten sind zum Englischlehrerzimmer, wo mein zweiter Schreibtisch steht (nicht in Benutzung, ich hab keine Ahnung was ich damit soll) und dann ins Klassenzimmer. 
Während die Flure der Schule mit Linoleum ausgelegt sind, liegt in den Klassenzimmern Teppich. Bevor man die Klassenzimmer betritt, ziehen Lehrer als auch Schüler ihre Hausschuhe aus und betreten es mit Socken (oder man bringt noch extra "Klassenzimmerhausschuhe" mit, wenn man will).
Ist das nicht abgefahren? Ich finde es toll. 

Auch sieht man keine Spur von Vandalismus auf den Toiletten, oder an den Wänden. Alles ist sauber, wenn auch schon in die Jahre gekommen.

Die Schüler müssen aufstehen und uns Lehrer begrüßen, wenn der Unterricht beginnt (mal mit mehr, mal mit weniger Elan) und müssen eigentlich auch respektvoll mit eben diesen umgehen. Zum großen Teil passiert das auch und wenn ein Lehrer ein Kommando gibt, wird das auch sofort ausgeführt. Auf der anderen Seite scheint es aber okay zu sein, gelangweilt wegzugucken und nur "Jaja.." (sprich: Leck mich am Arsch) zu sagen, wenn man eine Standpauke bekommt, als auch seine ausländische Lehrerin als süß zu bezeichnen und sie zu fragen, ob sie einen Freund hat. Das war schon sehr komisch. Die Beziehung zu den Schülern scheint eine zwischen elterlicher Autoritätsperson und gutem Freund zu sein.

Meine Schüler (ich habe 1st, 2nd und 3rd year students, was auch immer genau das heißt) machen derzeit alle mehr oder weniger das gleiche: Sie müssen sich zu Zweit einen Dialog nach einem bestimmten Thema selbst ausdenken, wie zum Beispiel eine Wegbeschreibung, diesen dann auswendig lernen und vor der ganzen Klasse samt Gesten und richtiger Intonation vortragen. Das wird gefilmt und dafür gib es Noten.

Nun hat Englisch in Japan einen anderen Stellenwert als beispielsweise in Deutschland. Es ist wirklich nicht miteinander zu vergleichen. Die richtige Aussprache als auch die Grammatik fällt den meisten wirklich sehr schwer, Vokabeln hingegen können sie recht viele. Aber vergleicht man das Englisch eines beliebigen 19 jährigen deutschen Schülers und dann das eines 19 jährigen Schülers hier in Japan, sind die Unterschiede wirklich gewaltig. Aber gut, das ist hier so, das hat nichts mit faul/dumm sein zu tun, Englisch ist einfach eine grundlegend andere Sprache als Japanisch und der Stellenwert ist hier bislang nicht allzuhoch.
(Daher würde ich auch jedem der eine Rundreise in Japan machen will raten, entweder einen VHS Kurs in japanisch zu belegen, nur mit Reisebegleiter zu fahren, oder jemanden dabei zu haben der Japanisch kann. Mit Englisch erreicht man hier nichts, auch nicht in Tokyo!)

Meine Aufgabe ist jedenfalls den Schülern zu helfen, wenn sie bei ihrem Dialog nicht weiterkommen, falsche Grammatik benutzen, eine Vokabel nicht einfällt, als auch die Aussprache zu lernen. Außerdem auch, ein bisschen Mut zu machen, denn etwas vor der Klasse vorzutragen ist in Japan überhaupt nicht so selbstverständlich wie in Deutschland. Eine Englischlehrerin mit der ich zusammen arbeite sagte mir, dass die Hauptaufgabe eines japanischen Schülers darin besteht gut zuzuhören, sich viele Notizen zu machen und ruhig zu sein. Jetzt ist dieser Englischunterricht genau das Gegenteil, also ist eine nicht unerhebliche Aufgabe von mir, auch etwas Mut zu machen und die Schüler dazu zu bringen, etwas aus sich rauszukommen und auch Körpersprache bei ihren Dialogen einzusetzen.

Der Job passt bisher einfach perfekt zu mir. Das ist genau die Art Unterricht die ich auch selbst immer mit meinen Nachhilfeschülern gemacht habe: Selbst etwas machen, keine Angst vor Fehlern zu haben und kreativ zu sein. So lernt man meiner Meinung nach am besten.

Zu guter Letzt möchte ich jetzt damit anfangen,ein paar Funny Facts zusammenzutragen und dann nach und nach, so wie sie mir auffallen, im Blog zu veröffentlichen.

Ich möchte aber eins vorweg nehmen: Die "Facts" müssen nicht unbedingt wirkliche Fakten sein. Ich habe nicht recherchiert, sondern schreibe einfach, was mir in meinen 5 Monaten hier so aufgefallen ist. Nun lebe ich in Tokyo und Tokyo ist nicht gleich Japan, also kann so mancher Funny Fact in Kyoto oder Osaka wieder ganz anders sein. Das bitte im Hinterkopf behalten und nun geht es los:

1. In Restaurants sind Wasser und/oder Tee umsonst

2. Man zahlt kein Trinkgeld

3. Socken in Highheels sind kein Modefauxpas (ich heiße alle deutschen Männer in Sandalen und Socken willkommen)

4. Schüler müssen eine Uniform tragen. Die Jungen einen Anzug, die Mädchen Hemd und Rock.

5. Die Röcke der Schülerinnen gehen normalerweise bis zu den Knien. Die meisten rollen ihre Schulröcke nur einfach sehr hoch.

6. Schülern ist nicht erlaubt sich die Haare zu färben, sich zu schminken oder sich die Ohren zu piercen (oder sonst einen Körperteil)
 
7. In Japan geht man bei Krankheit eher ins Krankenhaus, als zum Arzt. Auch bei Schnupfen

8. Züge halten bei Erdbeben die die Sicherheit beeinträchtigen könnten dank eingebauter Sensoren automatisch an

9. Japaner feiern kein Weihnachten, Straßen und Läden sind aber geschmückt und es werden Weihnachtsartikel verkauft

10. Auf der Straße und auch in Läden/Gebäuden gibt es keine Mülleimer (anscheinend aus Angst vor Giftgasanschlägen). Ausgenommen sind die Mülleimer neben Getränkeautomaten, die aber nur für eben diese Getränkedosen sind

11. Es ist trotzdem sauber

12.In Japan findet man kein dunkles Brot. Nur selten in Bäckereien
... und Bäckereien sind selten



Und das war es erst einmal wieder!

Donnerstag, 7. November 2013

Nein, ich wurde weder von einem Monstertaifun weggeblasen und bin in Oz gelandet, noch bin ich wegen Verstrahlung in Quarantäne...

....das zu allererst, denn ich habe tatsächlich schon besorgte Nachrichten bekommen, weil ich so lange nichts geschrieben habe! Hier ist alles gut. Der Grund wieso so lange nichts von mir kam: Ich bin sackfaul, kommt schon, das wisst ihr doch!
Außerdem ist es hier mittlerweile echt kalt, irgendwohin gehen ist teuer, ich muss Pipi und ich hab Hunger...

Da wir das nun in aller Detailreiche geklärt haben und ich euch hoffentlich beruhigen konnte, kommt hier nun der von ein paar Leuten lang erwartete nächste Eintrag. Vorweg: Eigentlich ist nichts passiert. Aber ihr wolltet ja ein Update, das habt ihr davon.

Ein Thema brennt mir tatsächlich unter den Nägeln: Die deutsche Berichterstattung über Japan in so manchen Medien. Wie komme ich nach knapp einem halben Jahr ausgerechnet darauf? Das war so:

Eines Abends - ich war für meine Verhältnisse echt früh sehr müde und dachte mir "Yaaaay, du kannst einmal einschlafen bevor dein bester Freund, der frühe Vogel, wieder den Tag ankündigt" erreichte mich eine mega besorgte Nachricht von einem Freund, die ging in etwa so (Achtung, ich übertreibe ein gaaaanz kleines bisschen):

"OH MEIN GOTT, LEBT IHR NOCH?! ICH HAB GELESEN DASS JAPAN MORGEN VON EINEM MEGA TAIFUN AUSEINANDERGERISSEN WIRD UND WIR ALLE WEGEN DEM ATOMKRAFTWERK IN FUKUSHIMA, DAS DANN ENDGÜLTIG DEN GEIST AUFGIBT, STERBEN WERDEN!!!!1111111 DIE GANZE MENSCHHEIT WIRD AUSGELÖSCHT! ICH MACH MIR ECHT SORGEN!!!!!111111111111"
Dazu ein Link: Link der mir eine weitere lange Nacht bereitete

Ich denke mir nur "....hä?!" klick drauf und war von einer Sekunde auf die nächste wieder wach.
Weil, erstens: "Was für ein Taifun? Hier wurde nichts angekündigt, wieso wurde das verheimlicht, wenn es so schlimm sein soll?"
Zweitens: *google nach anderen Quellen, ob noch irgendwoanders was davon steht* "Ach du Scheiße..."

(Anmerkung: Hier sei nochmal angemerkt, dass es echt ein riesen Fehler ist, Google als Informationsquelle zu benutzen, wenn man nach etwas suchen möchte, weswegen man sich sowieso schon Sorgen macht. Entweder ist man laut Google dann nämlich schon tot, oder man stirbt in den nächsten 66,6 Minuten, wenn man nicht schleunigst einen Schamanen in Turkmenistan aufsucht und mit ihm den Ententanz tanzt, auf Chinesisch. Verdammt, ich begehe den Fehler immer wieder...)

Ich habe daraufhin erstmal einem Mitbewohner voller Panik geschrieben - in Gedanken buchte ich schon unseren Rückflug um und zwar auf JETZT SOFORT - und als Antwort kam nur: "Was für ein Taifun? Moment." daraufhin googelte er nicht, sondern surfte direkt eine Website an, die alle Taifune, deren Stärke, ungefähre Route etc. auf einer Karte direkt anzeigt und antwortete "Der Taifun ist nicht einmal durch Japan durch und hat sich auch schon längst wieder aufgelöst."

Ha... großartig. In Gedanken sah ich mich schon bei Punkt 12 anrufen,  um mich per Skype-Videochat mal über alle reißerischen Medien zu beschweren, aber... neeee.

Ich war trotzdem wirklich echt sauer und bin es immer noch, denn man kann tagtäglich auf diversen Seiten im Internet (ob seriös oder nicht sei mal dahingestellt, aber definitiv populär, also von vielen Menschen gelesen) die kuriosesten Dinge über Japan, speziell Fukushima lesen.
Etwa, dass Kinder, die in der betroffenen Region Essen von Zuhause mitbringen und nicht in der Schulkantine essen, gemobbt werden. Denn es wird untergraben, dass die Lebensmittel kontaminiert sind und alles, was diesem Schein widersprechen würde (also Essen von Zuhause mitbringen, bestehenden aus Lebensmitteln die von woanders herkommen) wäre praktisch verboten. Eltern müssen mit Konsequenzen rechnen.
Oder die japanische Regierung, samt Tepco verheimlichen alles, es werden falsche Daten veröffentlicht und getürkt und viele andere Dinge. Ihr könnt ja mal googlen (haha).

Als die Katastrophe passierte und auch noch als in angereist bin, habe ich aufgrund dieser Berichterstattungen selbst geglaubt, dass ich am besten die ganze Zeit mit dem Geigerzähler rumlaufe und sämtliche japanischen Nachrichten die den Tonus "Alles ist in Ordnung, die Situation ist unter Kontrolle" vertreten mit Vorsicht genießen sollte. Im Nachhinein betrachtet rege ich mich über mich selbst auf.

Ja, vor 2 1/2 Jahren gab es in Fukushima eine schlimme Nuklearkatastrophe. Das weiß die ganze Welt, tatsächlich und entgegen vieler Meinungen sind sich auch die Japaner selbst dessen schmerzlich bewusst!
Auch ist es wahr, dass seitens der Regierung und Tepco wohl viel verheimlicht wurde, aber:

- Jeder Taifun wird angekündigt. Teilweise fällt dann die Schule aus, oder sogar die Arbeit in diversen Bereichen. Das scheint allerdings Ermessenssache zu sein, jedenfalls wenn kein lebensbedrohlicher Monstertaifun auf Japan zurollt.
- Alle Lebensmittel sind mit Herkunft gekennzeichnet. Lebensmittel aus der Region in und um Fukushima zum Teil sogar mit einem roten, dicken Marker (auch wenn man diese Lebensmittel laut diverser in- und ausländischer anhaltender Recherche essen kann ohne Angst haben zu müssen. Hier wird nichts verkauft, was krank macht!).
- Alle dürfen essen was sie wollen. Auch Kinder die eine Schule mit Kantine besuchen. Und wenn sie ihr Wasser bei Madonna persönlich bestellen, das juckt hier echt keine Sau.
- Alle Japaner reden offen über die Katastrophe. Keiner verschweigt, dass hier etwas passiert ist, keiner versucht Gespräche darüber abzublocken, alle machen sich Sorgen über den weiteren Verlauf.
- Auch die Medien berichten darüber.

Um herauszufinden wie der Stand vor Ort nun wirklich aussieht, muss man wohl persönlich zum Kraftwerk fahren, um sich davon zu überzeugen. Ich selbst werde es nicht tun, möchte es so manchem 9Live Reporter aber fast ans Herz legen... aus ganz unjournalistischen Gründen.

Ich selbst kann sagen, dass ich eher keine Lebensmittel aus Fukushima, oder Ibaraki kaufe, auch wenn es Quatsch sein mag. Mir würden meine Gedanken einfach einen Strich durch die Rechnung machen, wenn ich mein leckeres Essen zubereite, aber die ganze Zeit daran denken muss "Hmm, lecker Spinat aus Ibaraki.. gerade esse ich seine Augen und das war ein Bein. Jetzt schreit er um Hilfe."
Wenn dann aber aus Unachtsamkeit doch mal was im Einkaufskorb landet - und das ist schon öfter passiert - ist es mir dann irgendwie auch egal und es wird mit einem Schulterzucken verspeist.

Passend dazu, meine neuste 3DS Bekanntschaft:
Vielleicht google ich gleich mal, was so die Überlebensprognosen sind, wenn man an jemandem aus Fukushima vorbeigeht und sein Mii trifft...

Soviel also zu diesem ernsten Thema.


Kommen wir zu den vergnüglicheren, aber auch sehr wichtigen Dingen. Meine neusten Einkäufe:

Ich habe mir meinen 4. 3DS gekauft, yaaaaaaaaay. Und zwar die Dragon Quest Special Edition.
Viele fragen sich jetzt "Warum?!", (ich mich auch) aber bald kommt Zelda raus und dank des Region Locks ist mein deutscher 3DS dafür nicht zu gebrauchen, also.... völlig legitim. Ich möchte doch nicht einer von diesen komischen Leuten sein, die sich Spiele aus Deutschland importieren, wenn sie in Japan sind... ich bin lieber einer von den komischen Leuten, die 4 3DS haben.

Ich habe eine neue Tasse geschenkt bekommen. Es ist eine Katze drauf (davon hab ich so wenige), sie heißt Fufu Neko und das finde ich echt lustig.
Laut Sven gucke ich genauso, wenn ich etwas blöd finde.

In Japan gibt es ja alle möglichen Sorten an KitKats und Häagen Dazs-Eis, vor allem von letzterem auch echt komische Sorten wie Süßkartoffel:
Das ist übrigens eine Limited Edition. Schmeckt aber wirklich sehr gut!
Kürbis-KitKat an Halloween und Erdbeer-KitKat. Beide nicht so lecker.
Zu Svens Pech habe ich ausserdem Super Mario Überraschungseier entdeckt. Darin können 12 verschiedene Figürchen drin sein, die ich leider alle haben möchte.

Das sind nicht alle, also muss ich noch mehr kaufen muaha
Außerdem gab es zu Svens Pech eine Grinsekatzen-Lampe, die das Gesicht der Grinsekatze an eine Wand projezieren kann. Die musste ich auch haben.
 ...und die Figur mit den zwei spielenden Katzen und dem Ball, die sich bewegen wenn die Sonne draufscheint, auch.

Für andere Leute herausgeworfenes Geld, für mich Grund freudestrahlend und kreischend durch Tokyo zu springen. Das war aber erstmal alles.

Weiter zu den Dingen, die wir in letzter Zeit unternommen haben: Nicht so viel!

Da wäre zum einen das "Oktoberfest" in Kawagoe. Stellte sich heraus, dass es 8 Bierzelte, verteilt auf 50km Fußweg waren. Zur Hälfte schon ausverkauft und dicht, zur anderen Hälfte völlig überteuert mit 900Yen für eine Flasche Köstritzer oder dergleichen (die kostet in Deutschland wie viel?). Außerdem gab es Hamburger (Hä?), aber keine Bretzel. Alles in allem echt bescheuert. Aber Kawagoe ist sehr schön, viele Häuser sehr alt und noch in ihrer traditionell japanischen Bauweise. Hier ein paar Fotos:

Es waren echt viele Leute da. Echt viele Leute haben also einen falschen Eindruck von Deutschland und vor allem dem Oktoberfest bekommen.



In Kawagoe kann man sich per Rikscha durch die Gegend kutschieren lassen.

Japanische Messer. Nicht gerade billig, aber scheinbar von guter Qualität.

Der Glockenturm, Kawagoes Wahrzeichen.


Kawagoe ist dafür bekannt, alles mögliche (vorallem Süßes) aus Süßkartoffeln herzustellen.



In einer Straße gab es viel selbsthergestelltes Spielzeug


Wenn man klatscht kommen Kois angeschwommen. Warum weiß ich nicht, aber ich habe nachdem mir das gesagt wurde 5 Minuten damit verbracht zu klatschen und Kois anzugucken.


Softeis. Unter anderem die Sorten Wasabi und Pfirsich. Standardmäßig Süßkartoffel und das ist echt lecker! Wer mal nach Kawagoe kommt, muss unbedingt Süßkartoffelsofteis essen!



Das war also das Oktoberfest... im Endeffekt haben wir uns eigentlich mehr Kawagoe angeguckt und das hat sich definitiv gelohnt!

Außerdem waren wir im berühmten Yoyogi-Park picknicken. Vor dem Parkeingang führte eine unbekannte Girlband ihre Lieder vor und hatte auch richtig viel Publikum. Anscheinend ist hier der Ort, um groß rauszukommen. Besonders gut singen konnten sie leider nicht.
Davon abgesehen schmückten diverse große "HUNDE VERBOTEN" Schilder den Eingang. Was lustig ist, weil der Park voll von Hunden war und es hat niemanden gejuckt. Mich hat es gefreut.

Sushi, Jijime, Kimchi mit Reis, gesüsste Süßkartoffeln als Nachspeise. Extra für mich, ohne dass ich darum gebeten hätte, Sushi mit Tofu(und die Person habe ich vor dem Picknick erst einmal getroffen! Ich hab mich echt gefreut). Das Zwiebelbrot ist von uns.

Besagte Girlband








Ein Baum. Im Hintergrund ein Klohäuschen
Zwischendrin verspürten wir den Drang, Bier zu kaufen und sind nochmal durch die Stadt. Dort fand ich das:

Das war ein schöner Tag im Yoyogi Park. Ich möchte an dieser Stelle einmal sagen, dass alle Koreaner (alle aus Südkorea bisher) die ich bislang kennenlernen durfte furchtbar nette und zuvorkommende Menschen sind. Außerdem haben sie Kimchi erfunden, allein deshalb ist Korea großartig.

Zu guter letzt haben ein paar unserer WGler samt uns eine Halloweenparty geschmissen, inklusive Trick&Treating (worauf die Amerikanerin bestanden hat). Auch das war sehr lustig. Da die Fotos denke ich für sich sprechen, belasse ich es dabei:
Pikachuuuuuuuu!






Ein Besuch im Konbini, die Angestellten waren total unbeeindruckt

Er war am gruseligsten, unser Zahnarzt in spe






Das war also unser Halloween. Für das Trick&Treating haben wir selbstgemachte Bretzel gemacht. Und für das erste Mal waren die echt lecker, wenn ich mir das Eigenlob erlauben darf. Allerdings kann ich keine Bretzeln legen, meine sagen aus wie Aliens.

Sven und ich haben außerdem eine neue Freundin. Neuerdings rennt sie schon mauzend auf uns zu, wenn sie uns sieht. Ich konnte mir nicht verkneifen sofort die Bepanthensalbe auszupacken als ich sie das erste Mal sah, weil ihre Ohren schlimm blutig aufgekratzt waren und ihre Nase aussieht, als hätte eine andere Katze darauf rumgekaut. Zum Glück sieht das mittlerweile etwas besser aus (sonst zerr ich dich zum Tierarzt Mieze, also pass auf...).
Die Hälfte von dem extra für sie gekauften Futter hat sie stehen lassen. Sie ist die verwöhnteste Straßenkatze, die ich je kennengelernt habe. Sie wird aber auch von allen Leuten hier in der Umgebung gefüttert...


Und das war es erstmal wieder von mir. Da in nächster Zeit keine großartige Unternehmung geplant ist, könnte der nächste Blogeintrag wieder auf sich warten lassen. Wir werden sehen!